Die türkische Lira verliert weiter an Wert gegenüber dem US-Dollar. Zu Beginn der Woche stand der Kurs für einen Dollar bei 2,2897 TL. Das ist der niedrigste Wert der vergangenen acht Monate. Die Maßnahmen der Türkischen Zentralbank, dem gegenzusteuern, haben bislang nicht sonderlich geholfen. Unter anderem hatten die Währungshüter das Einkaufen von Lira durch Devisen oder die künstliche Verknappung des Geldes veranlasst.

Außenhandelsdefizit fällt höher aus als erwartet

Grund für die Entwicklung ist vor allem das langsamere Wirtschaftswachstum, die hohe Inflation und das Außenhandelsdefizit, das über den Erwartungen liegt. Im August hatte die Türkei Waren im Wert von 11,440 Milliarden Dollar exportiert. Im selben Monat wurden Waren im Wert von 19,476 Milliarden Dollar importiert. Während es im Export nur einen Anstieg um 2,9 Prozent zum Vorjahreszeitraum gab, lag der Anstieg bei den Importen bei rund sieben Prozent. Das Defizit liegt damit bei 8,036 Milliarden Dollar. Experten waren von einem Defizit von nur 6,7 Milliarden Dollar ausgegangen.

Auch die Kriegswirren in den Nachbarländern Syrien und Irak machen der Wirtschaft des Landes zu schaffen. Der Irak ist hinter Deutschland der zweitwichtigste Abnehmer für Textilien, Lebensmittel und Baumaterialien. Zudem ist es angesichts des Vormarsches der Terrormiliz IS für Transportunternehmen schwieriger geworden, Waren in die Nachbarländer zu schaffen. Der Irak ist daneben auch der zweitwichtigste Erdöllieferant. Immer wieder wird die Pipeline, die von Kirkuk in die türkische Hafenstadt Ceyhan führt, angegriffen.

Energieminister kündigt höhere Energiepreise an

Die Entwicklung auf dem Devisenmarkt scheint Anleger von Investitionen in Edelmetalle abzuschrecken. Mit dem Anstieg des Dollarkurses ist in der Türkei der Goldpreis auf ein Jahrestief gesunken. Bei Silber liegt der Preis sogar auf einem Vier-Jahres-Tief.

Auch die Energiepreise werden im Land weiter steigen. „Die Strom- und Gaspreise werden beginnend mit dem kommenden Monat bis zu 9 Prozent steigen“, kündigte Energieminister Taner Yıldız an. Der Minister sieht gerade in dem Anstieg des Dollars die Ursache für die gestiegenen Energiepreise.