13.03.2020, Türkei, Ankara: Mitarbeiter in Schutzanzügen desinfizieren die Sitze in der Großen Nationalversammlung der Türkei. Foto: Burhan Ozbilici/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Türkei hat aus Sorge vor einer Ausbreitung des Coronavirus ähnlich wie Deutschland und andere Länder der Welt das öffentliche Leben weiter eingeschränkt. Zu gestern Mitternacht (22.00 UHR MEZ) mussten alle öffentlichen Erholungs- und Vergnügungsorte ihren Betrieb einstellen, teilte das Innenministerium in Ankara mit. Davon betroffen sind demnach unter anderem Cafés, Tee- und Bierlokale, Theater, Kinos, Hochzeits-Säle, Schwimmbäder und Fitnessstudios.

Bereits zuvor hatte das Innenministerium die Schließung von Bars und Clubs ab Montag angeordnet. Zudem werden keine Gebete mehr in Moscheen abgehalten. Die Gläubigen könnten zu Hause beten, sagte der Leiter der Religionsbehörde Diyanet, Ali Erbaş, am Montag. Vergangene Woche wurde bekanntgegeben, dass die Schulen und Universitäten geschlossen werden.

Flugverbindungen mit weiteren Ländern gestrichen

Gesundheitsminister Fahrettin Koca gab unterdessen weitere Reisebeschränkungen für sechs Länder bekannt. Die Flugverbindungen mit Großbritannien, der Schweiz, Saudi Arabien, Ägypten, Irland und mit den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden ab Dienstag 08.00 Uhr Ortszeit (06.00 Uhr MEZ) eingestellt. Damit hat die Türkei Flugverbindungen mit insgesamt 20 Ländern eingestellt, darunter Deutschland.

Des Weiteren wurde bekannt, dass die Türkei angesichts der Coronavirus-Krise 3614 Staatsbürger aus Europa nach Hause holt. Die Betroffenen würden in dieser Woche aus neun europäischen Ländern, darunter Deutschland, bis Mitternacht mit der halbstaatlichen Fluggesellschaft Turkish Airlines in die Türkei gebracht, sagte Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu am Dienstag in Ankara. Sie müssen demnach zwei Wochen lang in Quarantäne bleiben. Deshalb werden sie in Studentenwohnheimen in der Millionenstadt Istanbul und in der Nachbarprovinz Kocaeli untergebracht. Çavuşoğlu sagte nicht, wie viele Türken, die sich zu Besuchs-, Arbeits- oder Studienzwecken in Deutschland aufhalten, betroffen sind.

Insgesamt 47 Fälle in der Türkei − Kritik von Ärztevereinigung

Koca erklärte am Montagabend auf Twitter, es gebe 29 neue Coronavirus-Fälle. Damit stieg die Gesamtzahl der positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Menschen in der Türkei auf 47. Drei der Betroffenen seien von der Pilgerfaht nach Mekka (Umrah) zurückgekehrt, auch die anderen seien im Ausland, etwa in den USA oder Europa gewesen.

Die Türkische Ärztevereinigung (TTB) kritisierte am Montag, dass zu wenig Menschen getestet würden und dass die Dunkelziffer der Erkrankungen mutmaßlich hoch sei. Ankara gibt nicht oder nur teilweise bekannt, in welchen Städten oder Landesteilen die Betroffenen erfasst wurden. Für den morgigen Mittwoch wird eine Fernsehansprache von Präsident Recep Tayyip Erdoğan erwartet.

Türkin aus Italien mit wichtigem Appell

Eine in Italien lebende Türkin meldete sich am Sonntag via Instagram zu Wort und rief ihre Landsleute in der Türkei dazu auf, die Gefahr ernstzunehmen und sich den behördlichen Maßnahmen zu beugen.

 

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İtalya‘ da bir üniversitede araştırma görevlisi olan Senem Onen sosyal medya hesabindan virüse karşı uyarılarda bulundu. . #corona #italya #coranaturkiye

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Die Menschen in Italien hätten das nicht oder erst zu spät getan, weshalb das Land nun zu den von der Corona-Pandemie am schwersten betroffenen Ländern gehöre. Die Lage sei sehr dramatisch. Die Bürger hätten sich in Einkaufszentren oder in Parks getroffen, nachdem u.a. die Schulen geschlossen wurden. Auch aus der Türkei bekomme sie mit, dass viele sich im Freien träfen. Sie rief die Menschen dazu auf, das Haus nur in Notfällen zu verlassen, ansonsten sei zu befürchten, dass sich die Lage in der Türkei in den kommenden Tagen zuspitze. In Italien sind bislang mehr als 1800 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben.

dpa/dtj