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In der Türkei starten die Regierung und andere Institutionen Hilfsprojekte für Straßentiere, die in der Corona-Krise weniger Futter finden. Die größte Rechtsanwaltskammer des Landes in der Millionenmetropole Istanbul mit 48 000 Mitgliedern sammelt beispielsweise noch bis zum 26. April Futterspenden, wie die Zeitung „Cumhuriyet“ am Freitag berichtete. Demnach können Tierfreunde auf einer Webseite für die Aktion Futter kaufen, das dann verteilt würde.

In der Türkei gibt es viele Hunderttausend Streuner. Allein in Istanbul, das berühmt ist für seine Straßenkatzen, habe es 2018 rund 129 000 Hunde und 163 000 Katzen ohne Besitzer gegeben, heißt es aus der Verwaltung. Viele werden von Anwohnern oder Touristen gefüttert oder überleben mithilfe von Resten aus Restaurants oder Imbissen. Während der Corona-Krise sind zahlreiche davon aber geschlossen. Der Tourismus ist zum Erliegen gekommen. Über-65-Jährige und die meisten Unter-20-Jährigen dürfen nicht mehr vor die Tür. In Istanbul und rund 30 anderen Städten steht ab heute Mitternacht die zweite Ausgangssperre für alle Bürger bevor. Mancherorts laufen den wenigen Fußgängern dort Katzen oder Hunde mittlerweile eindeutig auffordernd entgegen.

Nach Kritik in der Vergangenheit: Tierschutzorganisation lobt Regierung

Der Minister für Umwelt und Stadtentwicklung, Murat Kurum, hatte bereits zuvor einen Aufruf an die Bürger getwittert, trotz Ausgangsbeschränkungen die Streuner nicht zu vergessen und Schüsseln mit Wasser und Futter vor die Tür zu stellen. Das Innenministerium hat einen Rundbrief an die Gouverneure der 81 Provinzen verschickt mit der Anweisung, mit den örtlichen Verwaltungen sicherzustellen, dass Straßentiere gefüttert würden.

Eine Mitarbeiterin der großen Tierschutzorganisation Haytap, Burce Orcan, sagte am Freitag lobend, die Regierung habe Haytap und anderen Organisationen während der Ausgangssperre am vergangenen Wochenende Sondergenehmigungen für Fütterinitiativen gegeben. Haytap hat in der Vergangenheit oft kritisiert, dass die Türkei in Sachen Tierschutz anderen Ländern hinterher hängt und unter anderem den mangelnden gesetzlichen Schutz für Tiere beanstandet.

dpa/dtj