16.03.2020, Türkei, Antalya: Fußball: Süper Lig, Türkei, 26. Spieltag: Antalyaspor - Sivasspor. Lukas Podolski von Antalyaspor jubelt über den Sieg. Das Spiel wurde wegen des Coronavirus-Ausbruchs ohne Zuschauer ausgetragen. Im Geisterspiel gegen den Tabellenvierten Sivasspor gelang dem Team des Ex-Nationalspielers ein 1:0-Erfolg im eigenen Stadion. Foto: Uncredited/AP/dpa

Europas Top-Ligen pausieren wegen der Coronakrise, nur in der Türkei wird noch gespielt. In Russland wurde der Spielbetrieb am Dienstag ausgesetzt, nachdem der Ball am Wochenende noch gerollt war. Bereits am Montag hatte Brasilien das Stoppzeichen gesetzt.

Lukas Podolski stand grinsend inmitten einer dicht gedrängten Menschentraube und ballte zum Zeichen seiner Freude die Faust. Als würde es die weltweite Coronavirus-Pandemie gar nicht geben, feierte der Ex-Nationalspieler in der Kabine mit seinen Teamkollegen von Antalyaspor den 1:0-Sieg am Montagabend im Geisterspiel gegen Sivasspor. „Wichtiger und verdienter Sieg: Acht Spiele ohne Niederlage. Guter Job“, schrieb Podolski bei Instagram und postete dazu ein Jubel-Bild.

Während der Ball rund um den Globus fast überall ruht, läuft die Meisterschaft in der Türkei unbeirrt weiter. Dank des Erfolges kletterte Antalyaspor, wo der 130-malige Nationalspieler und Weltmeister von 2014 seit Januar dieses Jahres kickt, mit 30 Punkten auf Rang elf und hat nun fünf Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge.

Lediglich auf die gewohnte Unterstützung von den Rängen müssen Podolski & Co. verzichten, weil derzeit alle Spiele ohne Zuschauer stattfinden. „Ohne Fans ist dieses Stadion nicht das gleiche wie sonst“, beklagte Podolski.

„Peinlicher Abend“ beim Geister-Derby

Dass der Spielbetrieb aufrechterhalten wird, stört die meisten Profis offenbar nicht. Dass dies auf Anweisung der Regierung nur vor leeren Rängen möglich ist, dagegen schon. Galatasaray Istanbuls Torhüter Fernando Muslera sprach nach dem 0:0 im Geister-Derby gegen Besiktas mit dem Ex-Frankfurter Kevin-Prince Boateng und dem früheren Mainzer Loris Karius am vergangenen Sonntag von einem „peinlichen Abend“ und kritisierte: „Kein Respekt für uns und die Fans. Ich bin so enttäuscht.“

Auch der derzeit vom FC Liverpool an Beşiktaş verliehene Karius konnte der Geisterkulisse nichts Positives abgewinnen. „Fußball ohne unsere Fans fühlt sich nicht richtig an. Wir alle lieben diesen Sport wegen der Fans“, schrieb der Torwart bei Instagram. „Doch in dieser kritischen Situation gibt es wichtigere Dinge als den Fußball. Bitte kümmert euch alle umeinander und seid sicher.“

TFF: Süper Lig wird nicht pausieren

Ähnlich äußerte sich Boateng, der 2018 mit der Eintracht den DFB-Pokal gewonnen hatte und momentan als Leihgabe des FC Barcelona am Bosporus spielt. „Fußball ohne euch (Fans) ist kein Fußball, aber noch wichtiger ist, dass alle in Sicherheit sind!“, schrieb der Offensivspieler in den sozialen Netzwerken. „Hinter verschlossenen Türen war es ein anderes Derby, aber wir spielten mit Stolz und Stärke.“

Eine Absage oder Verschiebung der türkischen Süper Lig sei auch für die neue Spielwoche nicht geplant. Das sagte der stellvertretende Vorsitzende des türkischen Fußballverbands (TFF) Servet Yardımcı gegenüber dem Nachrichtensender NTV. Auch der Vorsitzende der TFF erklärte, dass die türkische Liga bis Ende April fortgesetzt werde.

Ligen auch in Russland und Brasilien gestoppt

Die Türkei ist derzeit weltweit das einzige Land, in dem noch Fußballspiele ausgetragen werden. Die russische Fußball-Liga setzte am Dienstag den Spielbetrieb zunächst bis zum 10. April aus. Zu der gleichen Einsicht war 24 Stunden zuvor bereits der brasilianische Verband gekommen. Im Land des fünffachen Weltmeisters ruht der Ball nun ebenfalls, was den Unmut von Staatspräsident Jair Bolsonaro hervorrief. Die Maßnahme werde die Ausbreitung des Coronavirus nicht eindämmen, sagte Bolsonaro und schimpfte: „Wenn Sie Fußball und andere Dinge verbieten, geraten Sie in Hysterie.“

Auch die UEFA entschied sich am Dienstag für die Verlegung der Fußball- Europameisterschaft. Diese soll nun im Sommer 2021 ausgespielt werden.

dpa/dtj