ARCHIV - 23.05.2019, Irak, Bagdad: Muslime haben sich unter freiem Himmel zu einem öffentlichen Abendmahl (Iftar) während des muslimischen Fastenmonats Ramadan versammelt. Foto: Ameer Al Mohammedaw/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Muslime beschäftigt in diesen Tagen vor allem eine Frage: Wie umgehen mit dem Ramadan in diesem Jahr, der kommende Woche beginnt? Vorfreude mischt sich mit Fragezeichen, die die Corona-Pandemie zwangsläufig auslöst. Sie richten den Blick daher nicht nur in Richtung der Gelehrten, sondern auch der Behörden.

Die Bundesregierung will an dem wegen der Corona-Pandemie verhängten Versammlungsverbot in Gotteshäusern erst einmal noch festhalten. „Im Moment gibt es noch keinen Anlass, das zu verändern“, sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Mittwoch in Berlin.

Am kommenden Freitag werde Innen-Staatssekretär Markus Kerber mit den Vertretern der verschiedenen Religionsgemeinschaften aber ein Gespräch führen. Dabei werde es auch um Voraussetzungen für mögliche Lockerungen der Gotteshäuser zur Kontaktbeschränkung gehen. Zur Teilnahme an dem Gespräch seien Vertreter der Katholischen Kirche, der Evangelischen Kirche, der Orthodoxen Bischofskonferenz, des Zentralrats der Juden sowie des Koordinierungsrats der Muslime eingeladen.

Ostern und Pessach während Corona als Inspirationsquelle für den Ramadan?

Mit Blick auf den islamischen Fastenmonat Ramadan, der in der kommenden Woche beginnt, sagte der Sprecher, die notwendigen Maßnahmen zur Begrenzung der Infektionszahlen hätten die Christen rund um Ostern vor große Herausforderungen gestellt. Das gelte ebenso für das Pessachfest der Juden und nun auch für den Ramadan. „Da müssen wir alle mit umgehen, das ist nicht einfach für uns“, doch im Moment stehe die Gesundheit der Menschen im Vordergrund.

Kanzlerin Merkel lobte am Abend die Kirchen für ihre „Fantasie“, die sie über die Feiertage bewiesen hätten, um die Gläubigen zu erreichen. Auch die Moscheegemeinden machen sich in diesen Tagen Gedanken, wie sie ihre Mitglieder über Livestreams etwa erreichen können. In einigen Städten ertönt seit einigen Wochen zudem der islamische Gebetsruf, um unter anderem den Gläubigen Trost zu spenden.

Diyanet: „Nicht möglich, Fastenmonat in Gänze zu verschieben“

Gestern hatte die türkische Religionsbehörde Diyanet bekanntgegeben, dass die Gläubigen trotz der Verbreitung des Coronavirus den islamischen Fastenmonat Ramadan regulär begehen sollten. „Jeder gesunde Gläubige ist verpflichtet, während des Monats Ramadan zu fasten, wie von Gott befohlen. Es ist nicht möglich, diese Andacht in Gänze auszusetzen oder zu verschieben“, teilte die Diyanet mit. Risikogruppen wie Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen sollten aber auf das Fasten verzichten. Die Religionsbehörde erklärte, sie habe wegen der Corona-Krise dazu zahlreiche Anfragen erhalten.

Nach Ansicht von Experten begünstige das Fasten Gesunder nicht die Ausbreitung des Virus. Zudem gebe es keine medizinischen Beweise dafür, dass das Immunsystem negativ beeinflusst werde. „Im Gegenteil, es gibt wissenschaftliche Veröffentlichungen, wonach Fasten positive Auswirkungen auf das Immunsystem hat“, hieß es.

Der Fastenmonat beginnt dieses Jahr am 24. April*. Zum Ramadan gehören neben dem Besuch in der Moschee traditionell auch gemeinsame Mahlzeiten zum Fastenbrechen nach Sonnenuntergang im erweiterten Familien- und Freundeskreis. Der islamische Dachverband Ditib in Deutschland hatte die Gläubigen vergangene Woche zur Zurückhaltung während des Ramadans aufgerufen und Risikogruppen geraten, auf das Fasten zu verzichten.

*Wie jedes Jahr gibt es auch dieses Mal verschiedene Angaben, wann der Ramadan beginnt und endet. Diyanet gibt den 24. April an. Andere muslimische Verbände wollen bereits am 23. mit dem Fasten beginnen.

dpa/dtj