Der krebskranke Ahmet ist ums Leben gekommen. Das teilte die Menschenrechtlerin Arlet Natali Avazyan, die Ahmet und seine Familie in den letzten Wochen begleitet hatte, in der Nacht auf Donnerstag mit.

Es war ein großes Leid, das Ahmet Burhan Ataç erleben musste. Dabei war er erst acht Jahre alt. Sein Vater wurde nach dem Putschversuch wegen Verbindungen zur Gülen-Bewegung inhaftiert. Und auch gegen die Mutter wurde und wird wegen ihrer Nähe zur Bewegung ermittelt. Deshalb bekam sie eine Ausreisesperre erteilt. Ahmet musste aber für die Behandlung dringend nach Deutschland, wo er in Köln behandelt werden sollte. So musste das Kind mit seiner Großmutter nach Deutschland fliegen. Und das trotz der Tatsache, dass Ahmet in einer solchen Situation auf die mentale Unterstützung der Mutter dringend angewiesen war.

In einem Interview mit Euronews sagte die Großmutter daraufhin, dass Ahmet nachts sehr starke Schmerzen habe und nicht schlafen könne. „Er sagt ständig, dass er zu seiner Mutter und seinem Vater will“, so die Großmutter. „Sie sollen uns endlich hören. Dieses Kind ist krebskrank und will, dass seine Eltern bei ihm sind.“

Nach Bekanntwerden des Falls wurde die Ausreisesperre der Mutter dann vorerst aufgehoben. Nur wenige Stunden später widerrief ein Gericht diese Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Das Leid ging weiter und die Situation belastete Ahmet zusätzlich. Einige Tage später dann durfte die Mutter plötzlich doch wieder ausreisen.

Arzt lehnt OP wegen großem Risiko ab

Doch anscheinend war das alles zu spät. Der behandelnde Arzt in Köln diagnostizierte nach Angaben der Mutter weitere Tumore. Außerdem habe der Junge gebrochene Knochen und die Blutwerte seien schlecht. Deshalb habe der Arzt eine OP abgelehnt. Für die Mutter brach eine Welt zusammen. Ratlos flog sie wieder mit ihrem Sohn zurück in die Türkei. Am Mittwoch verschärfte sich Ahmets Situation dann noch einmal, weshalb er in die Notaufnahme kam.

Ahmet wollte ein letztes Mal seinen Vater sehen

Die Mutter sagte, dass Ahmet in den letzten Tagen sehr oft nach seinem Vater gefragt habe. Er habe ihn noch ein letztes Mal sehen wollen. Das war ihm aber nicht mehr möglich. Die Gefängnisleitung erteilte ihm keine Erlaubnis, ins Krankenhaus zu fahren.

In der Nacht auf Donnerstag teilte die armenischstämmige Menschenrechtlerin Arlet Natali Avazyan mit, dass Ahmet gestorben sei. Avazyan begleitete Ahmet und seine Familie schon von Anfang an und leistete rechtlichen Beistand.

Nun „hofft“ der Vater wenigstens, an der Beerdigung seines Sohnes teilnehmen zu können.