dpatopbilder - 11.05.2020, Italien, Mailand: Mitglieder der italienischen Gendarmerie "Carabinieri" halten Journalisten zurück, während Silvia Romano mit Atemschutzmaske zu Hause ankommt. Rund eineinhalb Jahre nach ihrer Entführung in Kenia ist die italienische Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation wieder frei. Die junge Frau war im November 2018 vermutlich von islamistischen Terrormilizen verschleppt worden. Sie ist inzwischen zum Islam konvertiert. Foto: Luca Bruno/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Silvia Romano war monatelang als Geisel einer islamistischen Miliz in Somalia gefangen gehalten worden. In dieser Zeit ist sie zum Islam konvertiert. Vor wenigen Tagen kehrte die Italienerin in ihr Heimatland zurück – und wurde mit Hass und Hetze überschüttet.

Silvia Romano ist erst seit wenigen Tagen zurück in Freiheit. Der italienische Geheimdienst hatte sie aus einer 18-monatigen Gefangenschaft befreit. Medienberichten zufolge war auch der türkische Geheimdienst maßgeblich an der Aktion beteiligt. Sie war eine Geisel der islamistischen Terrororganisation Al Shabbab in Somalia. Während dieser Zeit ist sie zum Islam konvertiert. Sie nennt sich nun „Aisha“.

Doch die Freude über ihre wiedererlangte Freiheit währte nur kurz. Denn nach ihrer Rückkehr ist die heute 25-Jährige Ziel von Anfeindungen, Hetze und Spott. Der deutschsprachige Südtiroler Nachrichtendienst „stol.ti“ berichtet gar von „Morddrohungen“.

„Hängt Sie auf!“

Welch schreckliche Zeit die junge Frau erlebt haben muss, scheint die Kommentatoren in den sozialen Medien nicht zu interessieren. Im Gegenteil. Mit Aufrufen wie „Hängt Sie auf!“ wird ihr die Rückkehr in ein normales Leben erschwert. Der prominenteste Hetzer ist wohl der Politiker Nico Basso von der rechtsradikalen Partei Lega-Nord (LN). In der Nähe ihrer Wohnung wurden zuletzt Flugblätter verteilt, die sie als „dreckige Muslima“ verunglimpfen. Ob der LN-Mann oder seine Partei dahinter stecken, ist laut italienischer Polizei noch nicht geklärt.

Romano, die bei ihrer Rückkehr einen Hidschab trug, soll nun von der italienischen Polizei geschützt werden. Die katholische Kirche ruft zur Mäßigung auf. Unterstützung erfuhr sie ebenfalls von der Bischofskonferenz. Ihr Vorsitzender, Kardinal Gualtiero Bassetti, bezeichnete die ehemalige Katholikin als „Tochter von uns allen“. Er bat um Rücksichtnahme auf das schwere Schicksal der traumatisierten Frau und Respekt vor ihrer Entscheidung. Ehemalige Entführungsopfer warnten ebenfalls vor einer Stigmatisierung. Das Trauma einer solchen Geiselhaft sei nicht zu unterschätzen.

ARCHIV – 01.08.2018, Kenia, Chakama: Das Archivbild vom August 2018 zeigt Silvia Costanza Romano, freiwillige Helferin aus Italien, lächelnd neben dem einheimischen Ronald Kazungu Ngala. Foto: -/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

„Aishas“ Geschichte

Indes kommen immer mehr Details der Entführung Romanos ans Licht. Italienische Medien berichteten, dass sie im November 2018 zunächst von Banditen entführt und danach an die Al-Shabaab-Miliz verkauft wurde. Zuvor hatte sie in Kenia bei einer Nichtregierungsorganisation gearbeitet.

Nach ihrer Rückkehr in die Heimat berichtete sie der Staatsanwaltschaft, dass niemand sie zur Konversion zum Islam gezwungen habe. Vielmehr sei es für sie ein langer Prozess gewesen, an dessen Ende sie Muslima wurde.

Mittlerweile äußert sich die Konvertitin nicht mehr öffentlich.