Das Betreuungsgeld in Höhe von künftig 150 Euro wird seit einem Jahr ausgezahlt. Die Gegner dieser Maßnahme behaupten weiterhin, erste Zahlen zeigten, dass die Unterstützung einen negativen Effekt ausgelöst habe. Familien sollen sich öfters dafür entscheiden, ihre Kinder unter drei Jahren zu Hause zu lassen und nicht in die Kita zu schicken – was aus ihrer Sicht offenbar unerwünscht ist. Dabei stört man sich besonders an Einwandererfamilien, denn diese Kinder würden so erst spät mit der deutschen Sprache in Kontakt kommen.

Katrin Altpeter, die Sozialministerin Baden-Württembergs, findet, die „Herdprämie“ bewirke „genau das Gegenteil davon, was gewollt war“: Statt die Zukunft für die Kinder zu verbessern, verschlechtere sie deren Situation. Das sei „frauen- und integrationspolitischer Irrsinn“. Ministerpräsident Winfried Kretschmann von den Grünen sagte, es werde ein ideologischer Kampf um Familienbilder auf dem Rücken derer ausgetragen, die eine frühkindliche Bildung am nötigsten hätten – wobei er nicht weiter darlegt, von wem dieser ausgeht. Die Erfolgsaussichten einer Bundesratsinitiative sollten noch einmal sondiert werden, sagte er.

Das Betreuungsgeld als größter Fehler

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) bestätigte diese Position in Stuttgart, das Betreuungsgeld setze falsche Anreize, da vor allem Eltern bildungsferner Schichten das Angebot nutzen und ihre Kinder zu Hause betreuen: „Ich halte dieses Thema Betreuungsgeld für einen der größten Fehler, was die Anreizfunktion angeht, den man in der Bundespolitik in den letzten Jahren gemacht hat.“

Manuela Schwesig (SPD) aus dem Bundesfamilienministeriums hatte die jüngste Studie zum Betreuungsgeld in Auftrag gegeben. Das Deutsche Jugendinstitut und die Universität Dortmund hielten das Betreuungsgeld für einen Grund, weswegen viele Einwandererfamilien mit Eltern ohne höheren Schulabschluss ihre Kinder nicht in Kindergärten schicken würden.

„Wieso soll das schlimm sein?“

Allerdings gibt es auch Zweifler, die behaupten, die Studie habe keine Aussagekraft. „Die Untersuchung ist methodisch fragwürdig und liefert verzerrte Ergebnisse“, schrieb die FAZ dazu. Der Fragemodus sei selektiert und der Befragte hätte keine andere Möglichkeit, als Geld als Grund für seine Entscheidung, die Kinder zu Hause zu lassen, anzugeben.

In der FAZ heißt es weiter: „Kinder aus Migrantenfamilien werden, so heißt es empört, in den ersten drei Lebensjahren vom nötigen Deutschsprechen abgehalten, wenn sie nicht in die Kita gehen. Aber wieso soll das eigentlich so schlimm sein? Selbst in den Fällen, in denen zu Hause gar nicht Deutsch gesprochen wird, braucht eine Karriere in Deutschland jedenfalls nicht deshalb zu scheitern, weil man erst im Kindergarten, vom vierten Lebensjahr an, mit der deutschen Sprache in näheren Kontakt kam. Der Mythos ‚frühkindliche Bildung‘ gehört demontiert! Zumal er wissenschaftlich hoch umstritten ist.“

Immerhin sind es auch gerade Länder wie Bayern oder Baden-Württemberg, wo es etwa in einigen ländlichen und kleinstädtischen Gegenden immer noch als verpönt gilt, Kinder unter drei Jahren außerhalb der Familie betreuen zu lassen, die immer noch das höchste Wohlstands- und Bildungsniveau in Deutschland aufweisen.

Seit dem Sommer 2013 erhalten Eltern bis zum dritten Lebensjahr ihres Kindes 100 Euro im Monat, ab dem ersten August diesen Jahres wurde die Unterstützung auf 150 Euro angehoben.