Foto: www.askidafatura.ibb.gov.tr/

Wer in der türkischen Millionenmetropole Istanbul wegen der Corona-Krise kein Geld mehr für die Gas- oder Wasserrechnung hat, kann sie nun auf einer Webseite anonymen Spendern zum Bezahlen anbieten. Am Freitagnachmittag wurden den Zahlen auf der Seite („Askıda fatura“) zufolge über die Kampagne der Stadt in den ersten zwei Tagen bereits rund 80 000 Rechnungen im Wert von rund zehn Millionen Lira (knapp 1,3 Millionen Euro) bezahlt. Rund 120 000 Rechnungen warteten noch auf Spender.

Die Rechnungen kämen von bedürftigen Familien, das habe die Stadtverwaltung geprüft, heißt es auf der Webseite. Mit einer anderen Spendenaktion war Oppositionsbürgermeister Imamoğlu kürzlich gescheitert. Die Zentralregierung hatte sie untersagt und die eigene Spendenaktion „Biz bize yeteriz“ begonnen. Imamoğlu teilte mit, dass gegen ihn Ermittlungen eingeleitet worden seien. Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte ihm und anderen Oppositionsbürgermeistern vorgeworfen, als „Staat im Staate“ zu agieren.

Lockerungen sollen helfen, Wirtschaft wieder anzukurbeln

In der Corona-Krise haben nach Oppositionsangaben mehrere Millionen türkische Arbeitnehmer ihre Stelle verloren. Zudem fällt in diesem Jahr ein Gutteil des Einkommens aus der wichtigen Tourismusbranche weg. Die Wirtschaft litt aber vorher schon unter Strukturproblemen wie einer hohen Inflationsrate und hoher Arbeitslosigkeit. Die Lira war am Donnerstag kurz auf einen historischen Tiefstand gefallen. Die Regierung hat deshalb Lockerungen beschlossen, die morgen (11. Mai) in Kraft treten sollen. Auch die Tourismusbranche bereitet sich darauf vor, spätestens Ende Juni die Kapazitäten wieder hochzufahren. Turkish Airlines hat bereits angekündigt, den Flugbetrieb wieder aufzunehmen.

Während die Wirtschaft angeschlagen ist, gibt das Gesundheitssystem der Türkei den offiziellen Angaben der Regierung zufolge in der Corona-Pandemie ein gutes Bild ab. Der zuständige Gesundheitsminister Fahrettin Koca, der laut Umfragen derzeit beliebteste türkische Politiker, teilte am Samstag auf Twitter mit, dass die Gesamtzahl der Genesenen fast 90.000 erreicht habe. Zudem sinke die Zahl der Erkrankten, die auf die Intensivstation verlegt werden müssten. Koca mahnte zugleich an, die Vorsichtsmaßnahmen weiter zu beachten und nicht nachlässig zu werden.

Mehreren Ländern der EU und andernorts in der Welt half die Türkei mit Masken und medizinischem Material aus, etwa Spanien, Italien und Großbritannien. Insgesamt beträgt in der Türkei die Zahl der an Corona infizierten Menschen laut offiziellen Regierungsangaben 138.657. Landesweit wurden mittlerweile 1.370.598 Tests durchgeführt und die Zahl der Toten kletterte auf 3.786 (Stand: 10.05.2020).

dtj/dpa