20.06.2019, Türkei, Dilovasi: Journalisten und Beamte verlassen nach Besichtigungstour das Bohrschiff "Yavuz" im Hafen von Dilovasi. Die Türkei hat für die Suche nach Erdgas ein weiteres Schiff ins östliche Mittelmeer entsandt - und dürfte damit einen Konflikt mit Zypern und Griechenland weiter anheizen. Foto: Lefteris Pitarakis/AP/dpa

Die Türkei gibt sich unbeeindruckt von den EU-Sanktionen wegen ihrer Erdgas-Erkundungen vor Zypern. Die Entscheidung würde in «keinster Weise» die Entschlossenheit der Türkei beeinträchtigen, ihre Aktivitäten im östlichen Mittelmeer fortzusetzen, teilte das Außenministerium in Ankara am Dienstag mit.

Die Außenminister der EU-Staaten hatten am Montag wegen der Erdgaserkundungen Strafmaßnahmen gegen die Türkei beschlossen. Konkret sollen unter anderem EU-Gelder für die Türkei gekürzt und die Verhandlungen über ein Luftverkehrsabkommen eingestellt werden.

Die EU will die Türkei mit den Sanktionen dazu bewegen, die Erdgassuche vor Zypern einzustellen. Die Türkei vertritt allerdings den Standpunkt, dass die Gewässer, in denen sie aktiv ist, zu ihrem sogenannten Festlandsockel gehören.

Ankara wirft Europa Voreingenommenheit vor

Sie hält den Norden von Zypern seit 1974 besetzt und will mit den Bohrungen die Anteile der türkischen Zyprer am Erdgasgeschäft sichern. Die Insel Zypern ist geteilt: Im Norden liegt die – nur von der Türkei anerkannte – Türkische Republik Nordzypern. Dagegen ist die Insel Republik Zypern international anerkannt und seit 2004 EU-Mitglied.

Ankara warf Europa angesichts der Sanktionen auch Voreingenommenheit vor und erklärte, die EU verhalte sich so, als existierten die türkischen Zyprioten nicht. Eine Lösung sei nur möglich, wenn deren Rechte garantiert würden. Man unterstütze einen Vorschlag Nordzyperns, die Erdgasreserven gemeinsam mit der Republik Zypern zu erkunden.