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Für die einen ein weiteres Mitglied von FETÖ, für die anderen ein einfacher US-Konsulatsmitarbeiter. Die Festnahme von Metin Topuz hat die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Türkei weiter verschlechtert. Dabei sind die Vorwürfe schwerwiegend. Hat er seine Finger im Putschversuch? 

„Die türkischen Behörden haben einen Angestellten des US Konsulats festgenommen“, hieß es in internationalen Schlagzeilen. Die Reaktion der USA ließ nicht lange auf sich warten. Von nun an werden keine Visa-Anträge türkischer Bürger mehr angenommen und bearbeitet, verkündete die amerikanische Botschaft von Ankara in einer offiziellen Mitteilung. Ein Paukenschlag für die kriselnde Wirtschaft der türkischen Republik. Die türkische Lira sank rapide. Für einen Dollar müssen türkische Unternehmer und Privatpersonen im Augenblick mindestens 4 Türkische Lira aufbringen.

Die türkische Regierung knickt nicht ein. Ihrerseits verkünden die Türken, dass auch Sie die Visa-Vergabe an US-Amerikaner einstellen. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach bei einer Pressekonferenz in der Ukraine über den Fall. „Die Türkei ist ein Rechtsstaat. Wir haben ihren Text angepasst und genau so an sie geschickt“. Doch während das Visa-Aus für Türken in den USA ernsthafte geschäftliche Konsequenzen haben könnte, wird ein Visa-Stop für Türkeireisende Amerikaner eher folgenlos bleiben. Der Grund ist ganz einfach. US Bürger müssen in der Regel kein Visa beantragen, um in die Türkei zu gelangen. Sie zahlen an den nationalen Grenzen, beispielsweise an Flughäfen einen erschwinglichen Betrag, um 90 Tage in der Türkei zu verweilen und Geschäfte abwickeln zu dürfen.

Der Grund für die Krise ist ein türkischer Bürger, langjähriger Angestellter der USA, bzw. unterschiedlicher US-Behörden und ein bekanntes Gesicht: Metin Topuz. Metin Topuz ist der Name der Krise. Das große Rätselraten um seine Person geht weiter. 

Doch wer ist überhaupt dieser Metin Topuz und was wirft ihm die Regierung vor?

Wer ist dieser Mann tatsächlich? Metin Topuz begann erstmals im Jahre 1982 für das US-Konsulat in Istanbul als Angestellter zu arbeiten. Nach rund 11 Jahren wurde er zur Kontaktperson zwischen der US-Drogenvollzugsbehörde DEA und der Istanbuler Drogenvollzugsbehörde ernannt. Den Auftrag im Namen der DEA führte Metin Topuz bis 2002 fort. Für diesen Auftrag wurde im Istanbuler Polizeipräsidium, auf der Vatan Straße, ein eigenes Büro eingerichtet. Hier hat Metin Topuz gemeinsam mit seinem Partner Ali Arabian insgesamt 10 Jahre diese Tätigkeit fortgesetzt. Ihr Job war es die Ermittler beider Institutionen miteinander zu verbinden. Metin Topuz und Ali Arabian waren auch in der Einrichtung einer Abhörbasis involviert. Die Einrichtung wurde von Konsulatsmitarbeitern installiert. Die Abhörbasis sollte zu Zwecken der Drogenfahndung eingesetzt werden, war aber technisch dazu in der Lage, alles Mögliche abzuhören. Zur selben Zeit hatte das Polizeigebäude ein großzügiges Geschenk der Amerikaner entgegengenommen: Einen X-Ray Scanner für den Eingangsbereich. 

Screenshot: Metin Topuz in jungen Jahren als DEA Agent in Aktion

In diesen Jahren hat sich Metin Topuz ein beachtliches Netzwerk aufgebaut. Außerdem war er die erste Anlaufstelle all jener, die an DEA-Schulungen interessiert waren, oder ein USA-Visum brauchten. In der Regel handelte es sich bei diesen Personen um Polizeipräsidenten, Direktoren und andere Beamte höheren Ranges. Außerdem habe Metin Topuz und Ali Arabian Polizeichefs zu kostenlosen Auslandsreisen gebracht und beispielsweise Reisen zu internationalen Fußballpartien ermöglicht. Zuschauer der US-amerikanischen Netflix-Serie Narcos werden sich die lukrativen Möglichkeiten des DEA besser vorstellen können, als jene, die kein konkretes Bild vor den Augen haben. 

Der Vorwurf gegen Metin Topuz – Öz, Korruptionsermittlungen, Putsch 

Metin Topuz wird seitens der türkischen Regierung schwerwiegendes vorgeworfen. Ein Vorwurf an Metin Topuz lautet als vermeintlicher DEA-Agent, also Ermittler der Drogenvollzugsbehörde in polizeiliche Ermittlungen in der Türkei involviert gewesen zu sein. Zudem habe er in dieser Form auch eine maßgebliche Rolle bei den Korruptionsermittlungen Ende 2013 gespielt. Außerdem habe Metin Topuz, durch seine Funktion im US-Konsulat, die Flucht von Personen wie Zekeriya Öz und anderen wichtigen Drahtziehern der Korruptionsermittlungen ermöglicht. Das Regierungsblatt SABAH schreibt in einem detaillierten Artikel, Metin Topuz habe nach wie vor Kontakt zu dem flüchtigen Staatsanwalt Öz. Entsprechende Ermittlungen hätten ergeben, dass eine Telefonleitung im US-Konsulat auf den Namen Murat Adanur existiere, diese Leitung zu Metin Topuz gehöre und über diese Leitung am 23. September 2013 und am 4. Oktober 2013 insgesamt 29 Minuten lang Anrufe auf eine Nummer in der Staatsanwaltschaft von Istanbul stattgefunden haben. Ermittlungen hätten zudem ergeben, dass die gewählte Rufnummer in der Staatsanwaltschaft auf die Telefonleitung von Zekeriya Öz zutreffe. 

Die Zeitung führt weiter aus, dass die besagte Telefonnummer von Metin Topuz auch mit vielen mutmaßlichen Putschisten in regem Telefonkontakt gestanden habe. 

Die US-Botschaft bezweifelt die Rechtmäßigkeit der Verhaftung von Metin Topuz

Derweil zeichnete der US-Botschafter John Bass eine Videobotschaft auf. Darin verkündet Bass, dass sie die Rechtmäßigkeit der Festnahme von Metin Topuz anzweifeln, da trotz Bemühungen seiner Botschaft die Gründe und mögliche Belegen für die Maßnahme zu erfahren, von türkischer Seite unbeantwortet gelassen sei. Hingegen, so Bass in seinem Statement, existiere eine zusätzliche Verunsicherung, da einige türkische Offizielle „Informationen an Medien“ getragen hätten, wohingegen Metin Topuz keinen Zugang zu seinem Rechtsanwalt habe.

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