Gläubige demonstrieren am 08.09.2017 in Teheran (Iran) für die muslimische Minderheit der Rohingya in Myanmar. Die Gewaltwelle in der Unruheregion Rakhine in Myanmar hat schon mehr als eine Viertelmillion Menschen in die Flucht getrieben. In Bangladesch seien in den vergangenen zwei Wochen mindestens 270 000 Muslime aus dem Nachbarland eingetroffen, berichteten die Vereinten Nationen am Freitag in Genf. Foto: Ebrahim Noroozi/AP/dpa

Was genau in der Unruheprovinz Rakhine vor sich geht, weiß niemand. Die Vereinten Nationen haben keinen Zugang. Geflüchtete berichteten, dass ihre Häuser niedergebrannt wurden und Familienangehörige erschossen worden seien. Überprüfen ließen sich solche Angaben nicht.

Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi machte «Terroristen» für die neue Welle der Gewalt verantwortlich. Seit 25. August sollen mindestens 400 Menschen getötet worden sein. Der Regierung zufolge hatten Rohingya Polizei- und Militärposten angegriffen. Nach deren Darstellung ging die Gewalt von Sicherheitskräften aus.

Kritik von Ex-Dirket des Nobel-Instituts: «Ich bin sehr enttäuscht»

«Ich bin sehr enttäuscht von ihrer Haltung», sagte der frühere Direktor des norwegischen Nobel-Instituts Geir Lundestad am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. «Sie sieht dies einfach nur als eine Frage von Terrorismus, und sie hat keine Bemühungen unternommen, in dieser sehr schwierigen Lage eine politische Lösung zu finden.» Ihre Auszeichnung aus dem Jahr 1991 könne Suu Kyi gemäß den Statuten der Nobel-Stiftung aber nicht aberkannt werden, betonte er.

Lundestad hatte von 1990 bis 2014 das Institut geleitet und war Sekretär des norwegischen Friedensnobelpreis-Komitees gewesen. In seiner Amtszeit war der ehemaligen Freiheitskämpferin aus Myanmar der Friedensnobelpreis verliehen worden. Wegen des brutalen Vorgehens des Militärs gegen die Rohingya wächst die internationale Kritik an ihr – auch von anderen Preisträgern. Die 72-jährige Suu Kyi führt seit vergangenem Jahr als «Staatsrätin» praktisch die Regierung, ohne offiziell den Titel einer Ministerpräsidentin innezuhaben.

Wegen der jüngsten Gewaltwelle in der Unruheregion Rakhine flüchteten nach Angaben der UN in Genf in den vergangenen zwei Wochen mindestens 270 000 Menschen ins Nachbarland Bangladesch.

Sigmar Gabriel: Zivilbevölkerung schützen

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) appellierte am Freitag an alle Seiten, zur Deeskalation beizutragen und die Zivilbevölkerung zu schützen. Im Vordergrund müsse jetzt die Linderung des Leids für die betroffenen Menschen stehen, sagte Gabriel laut Auswärtigem Amt. Deshalb müsse die myanmarische Regierung Hilfs- und humanitären Organisationen unbegrenzten Zugang zu den betroffenen Gebieten ermöglichen.