ARCHIV - Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan

Die regierungsnahe türkische Presse hat auf das Verbot eines Auftritts von Präsident Recep Tayyip Erdogan vor Anhängern in Deutschland durch die Bundesregierung verärgert reagiert. Die regierungstreue Tageszeitung «Yeni Safak» warf Deutschland «offene Feindschaft» vor. Führende deutsche Politiker würden der Türkei gegenüber «ständig feindselige Bemerkungen» machen, so «Yeni Safak».

Die für ihre aggressive Berichterstattung bekannte regierungsnahe Zeitung «Takvim» titelte: «Sie haben Angst wie immer». Dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz, der sich gegen einen Auftritt Erdogans ausgesprochen hatte, warf «Takvim» zusätzlich vor, die Terrororganisation PKK und die Anhänger des muslimischen Gelehrten Fethullah Gülen in Schutz zu nehmen.

Viele Zeitungen reagierten jedoch verhalten auf das Auftrittsverbot für Erdogan vor Anhängern in Deutschland am Rande des Hamburger G20-Gipfels. Im Vorfeld des türkischen Referendums im April hatten Redeverbote für türkische Politiker in verschiedenen deutschen Städten für ein sehr aggressives Presseecho in der Türkei gesorgt.

ARCHIV – Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD, l) und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan geben sich am 05.06.2017 die Hand. dpa

Erdogan: „Wenn ihr mich nicht auftreten lässt, komme ich trotzdem und bringe die ganze Welt gegen euch in Aufruhr!“

Der türkische Staatspräsident hatte im Zuge des Referendums und den Auftrittsverboten gegen türkische Minister in lauten Tönen sein großes Unverständnis zum Ausdruck gebracht. Nach dem einzelne Minister nicht auftreten durften, wurde die Diskussion geführt, ob ein Auftrittsverbot auch Erdogan als Person betreffen würde. Neben den Nazi-Vergleichen sorgte der türkische Präsident mit seinen Worten um die Spekulationen um seine Auftrittsverbote für Aufregung. „Wenn ihr mich nicht auftreten lässt, komme ich trotzdem und bringe die ganze Welt gegen euch in Aufruhr!“.

Zum jetzigen Zeitpunkt wurde ein möglicher Auftritt Erdogans tatsächlich verboten. Die Entscheidung der Bundesregierung wurde von Erdogan bislang nicht kommentiert. Der Sprecher des Staatspräsidenten Ibrahim Kalin hingegen meldete sich mit einer scharfen Kritik an die Öffentlichkeit: „Diejenigen, die der Türkei ständig etwas von Demokratie und Menschenrechten vorgaukeln, Terrororganisationen, Putschisten und  flüchtige Straftäter unterstützen, aber gleichzeitig den türkischen Staatspräsidenten versuchen an einem Auftritt zu verhindern, verdeutlichen dadurch lediglich die in Europa vorherrschende Doppelmoral. Sie behaupten an die Demokratie zu glauben, unterstützen aber diejenigen, die die türkische Demokratie aufheben wollen. Sie sollten eigentlich auf unserer Seite sein. Der Versuch, unseren Staatspräsidenten, der trotz den negativen Ereignissen in Europa stets einen konstruktiven Ansatz verfolgt, daran zu verhindern, die im Ausland lebenden türkischen Bürger zu treffen, ist keinesfalls mit Freundschaft zu vereinbaren.“