Ein ehemaliger Terrorist der Terrormiliz Islamischer Staats (IS) aus Gelsenkirchen ist als Aussteiger und «Kronzeuge» zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Düsseldorfer Oberlandesgericht sprach den geständigen 23-Jährigen überraschend bereits am Montagnachmittag als ISTerrorist schuldig. Das sagte ein Gerichtssprecher am Dienstag.

Mit seinen Aussagen soll er den mutmaßlichen Deutschland-Chef des IS, Abu Walaa, hinter Gitter gebracht haben. Der ehemalige Medizinstudent und 1,0-Abiturient hatte auch ausgesagt, von Terroristenführer Sven Lau mit einer Minderjährigen verheiratet worden zu sein.

Trotz Ausreiseverbots hatte sich der Terrorist mit seiner Ehefrau Mitte 2015 über die Türkei nach Syrien abgesetzt. Der IS habe ihm dort ein etwa zehn Jahre altes Mädchen, eine Jesidin, als Sex-Sklavin zur Verfügung gestellt, hatte sein Anwalt berichtet.

Er sei über die Schreckensherrschaft des IS entsetzt gewesen und wegen seiner Versuche, Syrien zu verlassen, in Ungnade gefallen, hatte der 23-Jährige ausgesagt. Der IS habe ihn und seine Frau gefoltert. Schließlich war ihm die Flucht in die Türkei gelungen. Inzwischen lebt er im Zeugenschutzprogramm an einem geheimen Ort.

Frauen von IS Terroristen werden weitergegeben

Die Frauen von IS Terroristen leben ein weit grausameres Leben, als bislang bekannt. Während sich Frauen durch die Heirat mit einem IS Milizen einem Leben unterwerfen, in dem es keine Freiheit mehr für sie gibt, ist ihr Leben auch nach dem Tod ihrer Ehemänner keinesfalls frei. Aussteiger und bereuende Rückkehrer, sowie Angehörige von Terroristen erklären, dass Frauen von IS Terroristen im Todesfall ihrer Männer willkürlich an noch lebende Terroristen weitergereicht werden.

Dass IS Terroristen in Polygamie-Verhältnissen leben, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist das Schicksal der Frauen, die als Hinterbliebene von Terroristen gegen ihren Willen weitergereicht werden.

dtj/dpa