Polizisten stehen am 09.11.2016 vor einem Bürokomplex in Dietzenbach (Hessen). Über 1000 Polizeikräfte haben in mehreren Bundesländern Objekte im Rocker-Milieu durchsucht. Gesucht wurde nach Waffen, Monition, Betäubungsmitteln, Schriftstücken und anderen Beweismitteln, die Hinweise auf illegale Geschäfte geben könnten. Foto: Susann Prautsch/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Bei einer großen Razzia im Rockermilieu sind in Hessen und dem Saarland sieben Verdächtige festgenommen worden. Die Aktion richtete sich gegen die „Osmanen Germania„, die als türkisch-nationalistisch gelten. An den Durchsuchungen waren bundesweit rund 1500 Polizisten beteiligt, auch in Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg gab es Razzien. Dabei wurden Waffen und Speichermedien sichergestellt, mehr als 50 Wohnungen, Gewerberäume und Büros wurden durchsucht.

Schwerpunkt des Einsatzes war Hessen. Dort gab es vier vorläufige Festnahmen. Im Saarland wurden drei Verdächtige festgenommen, die mit Haftbefehl gesucht worden waren, sagte Hessens Landespolizeipräsident Udo Münch. Weil der Einsatz noch nicht abgeschlossen sei, könnten sich die Zahlen noch verändern.

Der saarländische Innenminister Klaus Bouillon sagte, es sei gelungen, die Strukturen der Osmanen im Saarland zu zerschlagen. Den im Saarland und in Hessen festgenommenen Männern im Alter von 21 bis 28 Jahren wird unter anderem versuchter Mord vorgeworfen. Der hessische Innenminister Peter Beuth sagte, Ziel sei es gewesen, Beweismittel zu finden, die Strukturen der Organisation aufzuhellen und Täter zu ermitteln.

In Dietzenbach im Kreis Offenbach haben die Osmanen ihr sogenanntes World Chapter. Hier wurden mehrere Objekte des „Osmanen Germania Boxclubs“ durchsucht. Bei der Aktion wurde nach Waffen, Drogen, Munition, Schriftstücken und anderen Beweismitteln gesucht, die konkretere Hinweise auf illegale Geschäfte geben können. „Wir haben alle durchsuchten Objekte unter Kontrolle“, schrieb das hessische LKA auf Twitter.

Polizei weist Gerüchte zu bevorstehenden Anschlägen zurück

Gerüchte, es gebe Hinweise auf bevorstehende Anschläge der Rocker gegen Kurden, wies die Polizei zurück. „Aktuelle Mutmaßungen über bevorstehende und zu verhindernde Anschläge können wir nicht bestätigen.“ „Hürriyet“ spekulierte, die Rocker könnten Verbindungen zum türkischen Geheimdienst MİT haben.

Das LKA geht davon aus, dass es in Hessen 70 bis 80 Osmanen gibt, die sogenannten Chaptern in Hanau, Frankfurt und dem World Chapter in Dietzenbach zuzuordnen sind. Die Osmanen Frankfurt haben sich nach einer früheren Einschätzung von Ermittlern im Streit um den türkisch-nationalistischen Kurs von den Osmanen Germania abgespalten.

Hessens Innenminister Beuth sprach von einem „sorgfältig geplanten Schlag gegen die Organisierte Kriminalität in der Bundesrepublik“. Von den Durchsuchungen solle eine klare Botschaft ausgehen: „Egal in welcher Kutte Kriminelle glauben, sich in unserem Land betätigen zu können, wir werden gemeinsam mit aller Härte des Rechtsstaats gegen sie vorgehen.“