Nach dem Tod dreier Geschwister in einem Löschteich in Nordhessen erhoffen sich die Ermittler weitere Erkenntnisse von der Obduktion. Die Leichen der fünf, acht und neun Jahre alten Kinder würden am Montag in Gießen untersucht, sagte Polizeisprecher Markus Brettschneider in Schwalmstadt der Deutschen Presse-Agentur. „Ergebnisse wird es heute aber nicht geben, frühestens morgen.“

Yassin (9), Shirin (8) und Rebba (5) waren am Samstag in einem frei zugänglichen und bis zu zwei Meter tiefen Teich in Neukirchen-Seigertshausen ertrunken und am Abend geborgen worden. Fremdverschulden schließen die Ermittler gegenwärtig aus. „Wir gehen weiter von einem Unfall aus und haben noch keine neuen Erkenntnisse“, sagte Brettschneider. Zeugen des Unglücks seien nicht bekannt. Zum genauen Ablauf lägen keine weiteren Hinweise vor.

11-jähriger Bruder machte die schreckliche Entdeckung

Den Angaben zufolge hatte der elf Jahre alte Bruder seine Geschwister gesucht und den Fünfjährigen im Wasser treibend entdeckt. Daraufhin alarmierte er Menschen aus der Nachbarschaft. Später konnten Rettungstaucher das achtjährige Mädchen und ihren neun Jahre alten Bruder nur noch tot aus dem Wasser bergen. Womöglich hatten sie versucht, Rebba aus dem Wasser zu ziehen und sich dabei selbst in tödliche Gefahr begeben. Zwischenzeitlich hatten sich etliche Menschen in dem rund 700 Einwohner zählenden Ortsteil an einer großangelegten Suchaktion beteiligt.

Ob die Eltern, die nun drei ihrer sechs Kinder verloren haben, ihre Aufsichtspflicht verletzt haben – dazu machte die Polizei auch am Montag keine Angaben. „Das sind wichtige Verfahrensfragen, die wir nicht in der Öffentlichkeit diskutieren wollen“, sagte Polizeisprecher Brettschneider. Die Familie, die erst vor einem Jahr aus Saarbrücken hergezogen war, hat einen syrisch-türkisch-kurdischen Hintergrund und ist muslimisch. Ein Imam aus der nahe gelegenen Gemeinde kümmert sich um die Seelsorge. Die verstorbenen Kinder kamen in Deutschland zur Welt.

Familienangehöriger beklagt Sicherheitsmängel

Eine Frage ist auch, wie die Stadt Neukirchen verhindern will, dass sich solch ein Unglück wiederholt. An dem frei zugänglichen, etwa 40 Meter breiten Feuerwehrlöschteich stehen zwar Warnschilder mit der Aufschrift: „Teichanlage. Betreten auf eigene Gefahr. Eltern haften für ihre Kinder.“ Doch ein Angehöriger der Familie kritisierte, dass dies zu wenig Sicherheit biete.

Bürgermeister Klemens Olbrich sagte, in Neukirchen herrsche „große Betroffenheit“. Er kündigte an, bei der Aufarbeitung des Unglücks helfen zu wollen. „Drei Punkte sind zu klären: eine mögliche Verletzung der Aufsichtspflicht, die Frage nach dem Schwimmunterricht und was nun mit dem Teich, der Brandschutzzwecken dient, geschieht.“

An Tag zwei nach dem Unglück schwammen Blumen auf der Oberfläche des Teiches, die im Gedenken an die drei Kinder ins Wasser gelegt worden waren. Einige Menschen legten weitere Blumen und Kuscheltiere am Ufer ab. (dpa/dtj)