Der gebürtige Stuttgarter Uğur Parmak hat die Nase voll von der Schichtarbeit und wandert in die Türkei aus. Er ist erfolgreich, verdient mit seinem berühmten Café viel Geld. Deutschland vermisst er jetzt trotzdem.
Der gebürtige Stuttgarter Uğur Parmak hat die Nase voll von der Schichtarbeit und wandert in die Türkei aus. Er ist erfolgreich, verdient mit seinem berühmten Café viel Geld. Deutschland vermisst er jetzt trotzdem.

Es ist nur eine kurze Straße mit maximal sechs Cafés. Doch diese sind meist restlos belegt. Von außen glänzen sie. Laute türkische Popmusik ertönt. Aber auch US-Amerikanische Lieder, die vor zwei Jahren schon in den Topcharts waren.

Ein Café fällt hier besonders auf: Das Café Avesta. Hier hört und sieht man einen Unterschied zu den anderen Cafés auf derselben Meile. Statt ohrenbetäubender, lauter Musik, wird man hier beruhigenden Deep-House hören. Es grenzt direkt an den Campus der Pamukkale Universität in Denizli. Dort studieren über 50.000 Studierende. Pamukkale kennen die meisten aus Urlaubskatalogen. Es handelt sich um die schneeweißen Kalkterassen, ein ganz besonderes Weltkulturerbe.

Das Café Avesta war für den damals 23-jährigen Uğur Parmak der Grund für die Migration in die Türkei, genauer gesagt in das Heimatland seiner Eltern. Geboren ist er in Stuttgart. „Ich hatte die Nase voll von der Dreischichtenarbeit“, sagt Uğur. Das Leben in Stuttgart als gelernter Zerspanungsmechaniker in jungem Alter sei „einfach zu monoton.“ Er habe Abwechslung gebraucht und sei ein Jahr nach der Vollendung seiner Ausbildung mit seinen Eltern und seinem  älterem Bruder in die Türkei gereist- dorthin, wo er sonst nur jedes Jahr in den Sommerferien herkam. Finanzielle Gründe habe es aber keine gegeben. Er habe auch in Deutschland gut verdient. „Das Leben kam mir zu Beginn schon befremdlich vor. Neue Freunde, eine neue Umgebung.“

„Die Kultur macht´s“

Dank der  langfristigen Planung der Familie schaffte es Uğur dennoch hier schnell genug sich einzuleben. Hier im Zentrum von Denizli hatte die Familie Parmak bereits ein schönes Haus. Das Erdgeschoss war als Ladenlokal vermietet. Nachdem der Mietvertrag ablief, investierte die Familie Parmak für einen eigenen Laden in diese Räumlichkeit. Es wurde immer schöner, bunter. Der vorherige Name allerdings blieb.

Heute ist Uğur 27 Jahre alt. Mit der Hilfe seiner Familie um sich herum, hat er aus diesem Café eines der schönsten Familienbetriebe von Denizli gemacht. Jeder Jugendliche der Stadt kennt diesen besonderen Ort. Papa übernimmt als Türkei erfahrener die Bürokratie und den komplizierten Umgang mit den Behörden. Hier erkenne Uğur einen drastischen ersten Unterschied zu Deutschland. In der Türkei sei alles viel komplizierter und es gäbe einen sichtbaren Mentalitätsunterschied: „In Deutschland geht halt alles viel schneller und auch sicherer“, findet er. Wenn er von unnötigen Schwierigkeiten mitbekommt, die mies gelaunte türkische Sachbearbeiter seinem Vater und dem Unternehmen bereiten, denkt er sich manchmal: „Ey ich hab‘ kein Bock mehr hier und will zurück nach Deutschland.“

Ein deutsches „Servus“ bekommt mir wie eine Hamam-Massage

Auch die Kunden würden ihn manchmal nerven. Sie hätten oft wenig Verständnis, wenn mal was nicht stimme. Stuttgart vermisst er sehr. Aber er wolle dennoch weiter hier leben. Sein Bruder, der auch viel am Laden mitwirkte, hat allerdings schon die Reißleine gezogen. Vor ca. zwei Monaten ist er zurück nach Stuttgart gezogen. Er möchte sein Lebensmittelpunkt doch in Deutschland haben.

Uğur selbst habe hier zwar selten Zeit für sich. Aber umso mehr freut er sich, wenn im Sommer mal Gäste aus Deutschland kommen: „Ich spreche die „Deutschländer“ direkt an, will sie kennenlernen. Ein deutsches „Servus“ bekommt mir wie eine entspannende Hamam-Massage nach der Arbeit.“ Deutsche Gäste würden hier besonders gerne Wasserpfeifen und das städtische  Brausegetränk „Zafer Gazoz“ bestellen. Immer sehr freundlich, haben Verständnis, wenn es mal nicht gut läuft. Für den jungen Unternehmer eindeutig: „Die Kultur macht´s.“


Dieser Text wurde am 05. September 2015 erstveröffentlicht und ist nun im Rahmen unseres Jahresrückblicks erneut erschienen.