Zum ersten Jahrestag des terroristischen Angriffs auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ wollen Frankreichs Muslime ein Wochenende der „offenen Türen“ organisieren. Auf Initiative des Französischen Islamrates (CFCM) sollen am 9. und 10. Januar rund 100 von 2.500 Moscheen und Gebetshäusern landesweit für die Öffentlichkeit offenstehen, berichtet die Pariser Boulevardzeitung „Le Parisien“ (Samstag).

Die Gäste sollen die Architektur der islamischen Gotteshäuser kennenlernen, einen „Tee der Freundschaft“ kosten oder in persönlicher Begegnung über die Grundlagen des Koran und der islamischen Bräuche erfahren, heißt es. „Es ist wichtig, dass sich meine Religionsbrüder ihren Landsleuten stärker öffnen“, wird Islamratspräsident Anouar Kbibech zitiert.

Er beschwor den „Geist des 11. Januar“, als Christen und Muslime vereint in einem Trauermarsch durch Paris der elf Opfer der Erstürmung der Redaktionsräume des Satiremagazins gedachten und „republikanische Einheit“ demonstrierten.

Mit über 4 Millionen sind Muslime unter den 66 Millionen Bürgern Frankreichs die zweitgrößte Religionsgemeinschaft nach dem Christentum; genaue Zahlen fehlen. Viele Muslime sind Einwanderer aus den ehemaligen französischen Kolonien in Nordafrika, etwa Algerien, Marokko und Tunesien. Zentren des Islam in Frankreich sind die Vorstädte von Paris, Lyon, Straßburg und Marseille.

Vertreten werden die französischen Muslime unter anderem durch den 2003 gegründeten islamischen Dachverband „Conseil francais du culte musulman“ (CFCM). Der CFCM wirkt unter anderem beim Moscheebau mit und ist zuständig für die Einsetzung der Muftis von Paris und Marseille. Außerdem legt er die Fastentage im Monat Ramadan fest. (kna/dtj)