Syriens Machthaber Baschar al-Assad sieht sich durch die russischen Luftangriffe auf Rebellen in dem Bürgerkriegsland im Aufwind. „Nach der Teilnahme der russischen Luftwaffe im Kampf gegen den Terrorismus hat sich die Situation auf eine sehr gute Weise entwickelt“, sagte Assad nach Angaben der staatlichen Agentur Sana vom Sonntag in einem Interview des chinesischen Fernsehsenders Phoenix. Die syrische Armee rücke an fast jeder Front vor, wird Assad weiter zitiert.

Seit Kurzem ist offenbar auch die turkmenische Minderheit in Nordwestsyrien Ziel der Angriffe. Am Freitag bestellte die Türkei den russischen Botschafter ein und forderte „den sofortigen Stopp dieser Operation“. Laut Regierungschef Ahmet Davutoğlu wurden dabei „40 turkmenische Dorfbewohner verletzt“.

Moskau bombardiert seit Ende September Ziele in Syrien. Damit soll nach Angaben des Kremls die Terrormiliz IS bekämpft werden. Der Westen und syrische Aktivisten werfen Russland jedoch vor, die meisten Luftangriffe richteten sich gegen andere Rebellen, um die ausgelaugten Kämpfer seines Verbündeten Assad zu unterstützen. Auch die Turkmenen gehören zu den Assad-kritischen Minderheiten im Land. Trotz der Namensgleichheit haben sie nichts mit Turkmenistan zu tun. Ihre Zahl beläuft sich auf etwa 200.000.

Gleichzeitig kritisierte Assad die Luftangriffe des US-geführten Bündnisses gegen den IS, die seit über einem Jahr stattfinden. Das Ergebnis sei gewesen, dass die Terroristen mehr Gebiete hätten einnehmen und mehr Kämpfer hätten rekrutieren können. Tatsächlich markierte die Einnahme der historischen Oasenstadt Palmyra durch die Extremisten im Mai eine schwere Niederlage für das Regime. Dagegen verlor der IS aber auch Gebiete vor allem im Norden Syriens an kurdische Einheiten, die von Luftangriffen des US-Bündnisses unterstützt werden.