So genannte Spätis sind mittlerweile zu einem bedeutenden Teil der Berliner Kultur geworden. Sie ermöglichen den Kunden, zu später Stunde auch an Sonn-und Feiertagen notwendigste Produkte einzukaufen. Türkische Ladenbesitzer dominieren die Berliner „Späti-Szene“. Doch jetzt soll ein Gesetz zur Schließung der 24/7-Service-Läden an Sonntagen durchgesetzt werden.

Spätverkaufsläden finden sich zahllos in ganz Berlin – oft die letzte Anlaufstelle für Nachtschwärmer, die sich noch schnell mit einem Snack, einem Getränk oder ein paar Zigaretten versorgen wollen.

Obwohl die Verordnung zur Schließung dieser Läden an Sonntagen schon seit einigen Jahren beschlossen ist, wird sie erst seit kurzem in die Praxis umgesetzt und verursacht als „Verstoß gegen das Berliner Ladenöffnungsgesetz“ bei den Kleinunternehmern große Aufregung, da sie auf die Umsätze gerade an Sonn- und Feiertagen angewiesen sind. Zudem solle durch die Schließung dieser Läden der Alkohol- und Zigarettenverkauf reduziert werden.

Familien auf Einnahmen von Spätis angewiesen 

Während Läden, die Lebensmittel verkaufen, finanzielle Rücklagen bilden und ihre Geschäfte spät und an Feiertagen schließen können, sind die Spätverkaufsstellen auf den Verkauf von Bier und Zigaretten angewiesen, um überhaupt ihre Umsätze zu generieren.

„In dieser Branche ist nicht viel Geld zu machen, wir kommen gerade so über die Runden“, berichtet der 62-jährige Şakir Tunç, der mit seiner Frau Zekiye eine Spätverkaufsstelle auf einem Kreuzberger Kiez führt.

Tunç, der aus der östlichen Provinz Erzincan stammt, kam 1982 nach Deutschland und eröffnete später mit der finanziellen Hilfe der ganzen Familie seinen Späti. Er hat den letzten Cent in seinen gut sortierten Laden gesteckt und fühlt sich durch die neu geschaffene Verordnung in die Ecke gedrängt. Er betont, dass er sich immer an geltende Regeln gehalten habe. Die Durchsetzung der neuen Verordnung erfolge, so Tunç, sporadisch und führe lediglich dazu, dass viele Spätverkaufsbesitzer ihre Türen geöffnet lassen und damit eine hohe Ordnungsstrafe riskieren. Es werde sogar mit Schließung gedroht.

Das Ordnungsamt und der Wirtschaftsstandort

„Ich habe bei mir im Laden ein Regal voll mit Schokolade. Wenn es draußen heiß ist und ich schließe, würde die Schokolade schmelzen“, so Tunç weiter. „Wenn es dann noch Probleme mit den Kühlvitrinen oder der Elektrik gäbe, wären die Kosten schon am nächsten Montagmorgen astronomisch hoch.“

Spätis sind ein zentraler Anlaufpunkt für Jung und Alt, für Anwohner wie für Touristen und damit auch ein Wirtschaftsfaktor. Man kann sich die Stadt ohne sie kaum noch vorstellen. Ob das die Damen und Herren vom Berliner Ordnungsamt wohl auch verstehen werden?

Mittlerweile haben Kleinunternehmer eine an Berlins regierenden Bürgermeister Michael Müller gerichtete Petition ins Leben gerufen und bereits mehr als 35.000 Unterschriften für den Erhalt der beliebten Läden gesammelt.