Den Erfolgsgeschichten der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationserfahrung werden regelmäßig neue hinzugefügt. Insbesondere trifft dies auf den Bildungsbereich zu.

Erhan Yalçın hat eine solche Erfolgsgeschichte vorzuweisen. Erhan schloss sein Abitur mit einem Notenschnitt von 1,1 ab – und das im bayrischen Garmisch-Partenkirchen! Bayern gilt seit Jahren als das erfolgreichste Bildungsbundesland schlechthin. Wann immer die Leistungen von Schülern aus ganz Deutschland verglichen wurden, lag Bayern vorn. Ministerpräsident Horst Seehofer spricht von „eindeutiger Überlegenheit eines intelligent vernetzten Schulsystems“ mit Haupt-/Mittelschule, Realschule und Gymnasium. Die Gründe hierfür seien aber sehr vielseitig, sagt der Bildungsforscher Olaf Köller. Höhere Leistungsorientierung und Unterrichtsqualität sowie bessere Lehrerausbildung seien hier entscheidend. Für Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, ist es aber ganz klar: „In homogenen Lerngruppen lässt sich besser individuell fördern“.

In einem Interview gegenüber der türkischen Zeitung Zaman offenbarte Erhan Yalçın sein eigenes Erfolgsrezept, die unter anderem die Aussagen des Präsidenten des Lehrerverbandes bestätigen.

Die Referate trug er zunächst seiner jüngeren Schwester vor

Um erfolgreich zu sein, habe er sich für die Prüfungen viel Zeit genommen, großen Aufwand betrieben und Vorbereitungen in Anspruch genommen. Für ein Referat in Ethik beispielsweise habe er seiner sechs Jahre alten Schwester das Thema abermals vorgetragen. Erhan habe sie so lange vorgetragen, bis sie entnervt das Handtuch geworfen und „Halt den Schnabel“ gesagt habe.

Es sei wichtiger, nicht in der Schule, sondern im Leben erfolgreich zu sein. „Je älter man wird und anfängt, sich selbst besser zu verstehen, gewinnt die Konzentration auf die Fähigkeiten mehr und mehr an Bedeutung. Ein zukünftiger Regisseur zum Beispiel muss auch ein Interesse an der Wissenschaft zeigen und anfangen, seine Mängel schon in der Schule zu beheben. Dadurch verliert er aber nichts. Eines Tages wird er sich sogar bei sich selbst bedanken.“

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Ferienfotos hielten die Angst fern

Einen besonderen Weg der Motivation fand der damalige Elftklässler in seinen Ferienfotos. Damals musste er auf dem Heimweg wenig belichtete Straßen durchlaufen, welche seine Psyche beeinflussten. Um dem entgegen zu wirken, hing er Ferienfotos an seine Zimmerwand.

Was das für ein Gefühl war, als er sein Zeugnis erhielt? „Als ich mein Abiturzeugnis erhielt, wollte ich Tausende von Meilen fliegen. Ich habe Freude und Stolz gleichzeitig empfunden. Zu sehen, dass ich meine Ziele, die ich mir persönlich vorgenommen habe, erreicht habe, ist toll“.

Seine Lehrer bezeichnet er als „größte Chance seines Lebens“

Der türkische Schüler betont im Interview auch den Anteil seiner Lehrer an seinem Erfolg. Seine Eltern hätten eine ähnlich qualitativ hochwertige Bildung nie erhalten und ihm deswegen nie wirklich helfen können. „Ich wollte sie nicht, ich brauchte sie nicht“, sagt Erhan. Trotz dieser Ausgangssituation ein solches Abitur zu erzielen, habe sein Selbstvertrauen sehr gesteigert.

Die Begegnung mit seinen Lehrern und Lehrerinnen, die sich um ihn kümmerten und förderten, sei eine seiner größten Chancen seines Lebens gewesen. Einige der Lehrer hätten seine Aufmerksamkeit auf verschiedene Bereiche gelenkt, anderen sei es wiederum gelungen, sein Interesse am Unterricht zu erhöhen. „Dafür bin ich ihnen sehr dankbar“, so Erhan, der im kommenden Semester an der renommiertesten Universität in München, der Ludwig-Maximilians-Universität, Volkswirtschaftslehre studieren wird.

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