Wieder erschüttert ein besonders widerwärtiger Fall von Gewalt gegen Frauen die Türkei. Diesmal wurde in einem Kanal in der westtürkischen Provinz Muğla die 18-jährige Cansu Kaya ermordet aufgefunden. Wie türkische Medien am Dienstag berichteten, wurde das Opfer nach ihrem Tod noch vergewaltigt.

Wie die Zeitung Akşam berichtet, habe man Sperma- und Fingernagelspuren festgestellt in und am Körper der 18-Jährigen festgestellt, die zwei bereits festgenommenen Verdächtigen zugeordnet werden konnten.

Der zeitliche Unterschied zwischen dem todesursächlichen Genickbruch und dem Entstehen der Vergewaltigungsspuren weise darauf hin, so die Forensiker, dass der sexuelle Übergriff post mortem stattgefunden hätte.

Die Leiche Cansu Kayas wurde am 17. Juni von ihrer Schwester Burcu Kaya im Dalyan-Kanal gefunden, nachdem diese am 14. Juni damit begonnen hatte, nach ihr zu suchen. Die Ermordete hatte in einem kleinen Hotel in der Touristenstadt Dalyan gewohnt und als Kellnerin in einem Restaurant gearbeitet.

Am Montag demonstrierten etwa 500 Menschen im Bezirk Ortaca in der Provinz Muğla mit Plakaten, welche Bilder in der Türkei ermordeter Frauen zeigten, gegen sexuelle Gewalt und die zunehmende Anzahl an Frauenmorden im Land.

144 Fälle tödlicher Gewalt gegen Frauen im Jahr 2015

Die Behördenleiterin im Rathaus von Ortaca, Nilgün Şahin, verlas eine Erklärung im Namen der Demonstranten. Darin hieß es unter anderem: „Die Frauen, die in diesem Jahr ermordet wurden, sind jetzt unter uns. Die erschreckende männliche Gewalt, die uns die Sprache verschlägt, macht unser Leben immer weiter zu einer unermesslichen Qual.“

Şahin machte eine „männlich-dominante Mentalität, die Frauen jedes Alters, jeder Hautfarbe und jeder Sprache ihrer Würde beraubt“, dafür verantwortlich, dass seit Beginn des Jahres 2015 in der Türkei insgesamt 144 Frauen ermordet wurden. „Es ist uns bewusst, dass diejenigen, die Cansu ermordet hatten, auch uns ermorden wollen“, so Şahin.

Bereits im Februar hatte es einen landesweiten Aufschrei der Empörung und Wut gegeben, nachdem die verbrannte Leiche der 20-jährigen Studentin Özgecan Aslan in einem Flussbett in der südtürkischen Provinz Mersin aufgefunden wurde. Der Fahrer eines Minibusses, mit dem sie nach Hause fahren wollte, hat den Mord an ihr bereits gestanden. Er war zusammen mit zwei Komplizen am 16. Februar verhaftet worden. Aktuell läuft der Prozess gegen die Beschuldigten, die den Mord bereits gestanden haben.

Die 19-jährige Mutlu Kaya, der vor einigen Wochen mutmaßlich durch ihren Ex-Freund, der ihre Teilnahme an einer Castingshow verhindern wollte, in den Kopf geschossen wurde, und deren Schicksal landesweit Schlagzeilen machte, hat nur durch großes Glück und die Anstrengungen der Ärzte im Krankenhaus von Diyarbakır die Attacke überlebt. Nach 37 Tagen wurde am Dienstag aus der Intensivstation entlassen.