Am 1. Juli wird sich das islamische Bankwesen in Deutschland über einen Meilenstein in seiner noch recht jungen Geschichte freuen können. An diesem Tag wird die KT-Bank, eine Tochter der Kuwaitisch-Türkischen Beteiligungsbank, in Berlin ihre erste Filiale eröffnen.

Das Unternehmen mit Sitz in Mannheim hatte zuvor im März die erste Vollbanklizenz für das Privat- und Firmenkundengeschäft durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) erhalten.

International galten bisher eher mehrheitlich islamische Staaten wie Malaysia und Bahrain als Hochburgen der nach den Regeln der Scharia arbeitenden Finanzdienstleistungen, in Europa war Islamic Banking vor allem in Großbritannien verbreitet.

In Deutschland hatte es bis dato lediglich ausgewählte Finanzdienstleister gegeben, die von Deutschland aus über ausländische Anbieter schariakonforme Verträge vermitteln konnten, oder bestenfalls Nischenprodukte etablierter Anbieter, die an und ab Halal-Investmentfonds in ihr Portfolio aufgenommen hatten.

KT-Bank will nicht nur Muslime als Kunden

Das Entscheidende, was islamisches Bankwesen vom westlichen Unterscheidet, ist, dass Zinsen als Ertragsquelle abgelehnt werden. Kein Geld soll nur aus Geld verdient werden. Aus diesem Grunde sind auch Finanzwetten und Derivatgeschäfte im islamkonformen Banking untersagt. Islamische Banken engagieren sich zudem nicht in Bereichen wie Rüstung, Alkohol, Glücksspiel, Tabakwaren oder Prostitution. Ein Ethikrat aus Islamwissenschaftlern und Wirtschaftsexperten wacht dabei über die Einhaltung dieser Grundsätze.

Gegenüber dem „Focus“ erklärte der Generalbevollmächtigte der derzeit 70 Mitarbeiter zählenden KT-Bank, Uğurlu Soylu, bereits im März, man wolle seine Angebote jedoch nicht alleine an die etwa vier Millionen Muslime richten, die in Deutschland leben. „Auch für Christen und Juden und für alle, die unsere Maßstäbe teilen, ist unser Angebot interessant“, äußerte sich Soylu gegenüber dem Magazin.

Schwer mit westlichen Bankprodukten zu vergleichen

Das Produktportfolio wird vom Girokonto über den Ratenkredit bis zur Immobilienfinanzierung reichen. Die Berliner Verbraucherzentrale begrüßt einerseits das zusätzliche Angebot auf dem Markt, gibt aber hinsichtlich einer qualitativen Bewertung zu bedenken, dass ein Vergleich mit ähnlichen Dienstleistungen westlicher Banken schwierig sei.

Da es keine Zinsen gibt, seien auch die Erträge von Festgeldkonten potenziell niedrig. Diese können nur aus der Beteiligung an Gewinnen aus Geschäften kommen, welche die Bank mit dem zur Verfügung gestellten Kapital macht. Angesichts des derzeitigen Zinsniveaus auf dem Markt dürfte der Unterschied jedoch im Moment minimal sein.

Die Kreditvergabe erfolgt aus einem Pool, in dem die Einlagen der Sparer gesammelt werden. Der einzelne Sparer wird an der durchschnittlichen Rendite aller Kreditgeschäfte beteiligt. Die islamischen Banken sind deshalb in erster Linie Beteiligungsbanken, weil durch Beteiligungen Investoren sowohl an den Gewinnen als auch am Risiko beteiligt sind.