Ahmet Çalışkan, Betreiber von Bizim Bakkal, zusammen mit seiner Frau.

Im Jahr 1974 kam Ahmet Çalışkan zusammen mit seinen Eltern und seiner Schwester aus der türkischen Stadt Burdur in den Wrangelkiez im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Seit 28 Jahren betreibt er dort einen Gemüseladen, der floriert und über eine Reihe von Stammkunden aus dem gesamten Wohnumfeld verfügt.

Exakt dieser Gemüseladen, „Bizim Bakkal“ (Unser Laden), soll nun jedoch einem Phänomen zum Opfer fallen, das Aktivisten als „Gentrifizierung“ bezeichnen.

Das Haus, in dem sich der Laden befindet, soll saniert werden und künftig Eigentumswohnungen der gehobenen Kategorie beherbergen. An die Stelle des Ladens, in dem außen Obst und Gemüse und im Innenraum auch türkische Feinkostspezialitäten verkauft werden, soll Gerüchten zufolge ein Restaurant treten. Im September soll Ahmet Çalışkan seinen Laden schließen, der neue Eigentümer will den Gewerbemietvertrag mit ihm nicht verlängern – obwohl dieser sogar einen neuen Vertragsabschluss mit höheren Mietbeträgen angeboten hatte.

Betreiber des Bizim Bakkal investierte erst kürzlich in neue Anlagen

Dem Betreiber des Familienbetriebes macht die Entwicklung Angst mit Blick auf die Zukunft. Ahmet Çalışkan befürchtet, ohne Beschäftigung zu bleiben. Nachdem er erst im Juni des Vorjahres 14 000 Euro in eine komplett neue Kühlanlage investiert und den Raum renoviert habe, könne er sich die Eröffnung eines neuen Ladens nicht leisten, erklärte der Unternehmer gegenüber der „Morgenpost“.

Juristisch dürfte es keine Möglichkeit mehr geben, das Schicksal des Bizim Bakkal aufzuhalten. Wie es trotzdem weitergehen könnte, ist regelmäßig eines der Themen der mittlerweile regelmäßig stattfindenden Bewohnerversammlungen, die im Viertel stattfinden.

In dieser Woche haben sich beispielsweise etwa 300 Anwohner versammelt, um gegen das Ende des Bizim Bakkal sowie gegen Zwangsräumungen im Viertel zu protestieren.

Bewohner des Wrangelkiez verhindern durch Blockade Zwangsräumung

Auch wurde in der nahe gelegenen Oppelner Straße durch etwa 50 Demonstranten die Zwangsräumung einer dreiköpfigen Familie verhindert, die sich nach dem Auszug zweier Kinder und einer darauf folgenden Neuberechnung der Leistungen des Jobcenters die monatlichen Zahlungen nicht mehr leisten konnten.

Die Protestierenden hatten sich versammelt und den Eingang zum Gebäude blockiert, sodass die angereiste Gerichtsvollzieherin unverrichteter Dinge wieder ihren Rückweg antreten musste.

Nachdem bereits vor zwei Jahren in der Wrangelstraße zwei türkische Gemüseläden mussten, will sich in Anbetracht der immer gereizteren Stimmung vor Ort nun auch Bezirksstadtrat Hans Panhoff einschalten und noch einmal an die Eigentümer herantreten. Ob er Erfolg haben wird, ist jedoch offen.