Beim schwersten Grubenunglück in der Geschichte der Türkei kamen vor gut einem Jahr 301 Bergleute ums Leben. Die Katastrophe ereignete sich am 13. Mai 2014 in einem Kohlebergwerk im westtürkischen Soma in der Provinz Manisa. Vier Tage lang wurde nach eingeschlossenen Kumpeln gesucht. 485 Bergleute überlebten, 160 wurden verletzt.

Bis heute ist die genaue Ursache für die Katastrophe unklar. Ermittler gehen davon aus, dass ein Defekt in der Elektrik zunächst eine Explosion und dann einen Brand im Stollen ausgelöst hatte. Zum Zeitpunkt des Unglücks hatten sich wegen eines Schichtwechsels besonders viele Arbeiter unter Tage aufgehalten.

Nach Angaben der Betreibergesellschaft Soma Holding hatten die Behörden das Bergwerk alle sechs Monate kontrolliert und bei der letzten Prüfung im März 2014 keine Unregelmäßigkeiten festgestellt. Nach dem Unglück nahm die Polizei Mitglieder der Unternehmensführung fest, darunter den Vorstandsvorsitzenden. Ihm und 44 Mitangeklagten wird nun im westtürkischen Akhisar der Prozess gemacht. Dem Vorstandsvorsitzenden und sieben weiteren Angeklagten drohen lebenslange Haftstrafen.

Die Regierung wies jede Verantwortung für das Unglück von sich. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan – damals noch Ministerpräsident – spielte die schlechte Sicherheitsbilanz der Bergwerke herunter und erntete dafür heftige Kritik. Nach der Katastrophe gab es in mehreren türkischen Städten Proteste. Tausende Demonstranten forderten den Rücktritt der Regierung. Bei dem Besuch von Erdoğan am Unglücksort wurde der damalige Regierungschef von den Hinterbliebenen ausgebuht.

In der Türkei kommt es immer wieder zu Unfällen im Bergbau. Im Oktober 2014 starben 18 Kumpel in der südtürkischen Stadt Ermenek. Sie waren in 300 Meter Tiefe eingeschlossen, nachdem ein Bergwerkschacht eingestürzt war. (dtj/dpa)