Nach dem Absturz einer Militärmaschine vom Typ A400M will die Bundeswehr zunächst weiter auf Ermittlungsergebnisse abwarten. „Die einzige A400M, die wir bislang im Testbetrieb haben, wird bis auf weiteres am Boden bleiben“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Montag. Erst wenn gesicherte Erkenntnisse zur Absturzursache vorlägen, könnte diese Sperre aufgehoben werden. Es sei auch noch zu früh, um neu und grundsätzlich darüber nachzudenken, welche Transportflugzeuge der Bundeswehr in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen werden.

Nach Angaben der Luftwaffe war ursprünglich geplant gewesen, in diesem Jahr sechs „Transall“-Maschinen außer Dienst zu stellen, so dass am Jahresende noch 47 „Transall“ übrigbleiben würden.

Bei dem Absturz in Sevilla waren am Sonntag vier von sechs an Bord anwesenden Mitarbeitern des Luftfahrtkonzerns Airbus ums Leben gekommen. Die deutsche Luftwaffe hatte im vergangenen Dezember nach jahrelangen Verzögerungen die erste von 53 bestellten A400M erhalten. Die Bundeswehr hat mit der Maschine bisher in Testflügen 57 Flugstunden absolviert.

Die türkische Luftwaffe hat unterdessen als Reaktion auf das Unglück alle Flüge der beiden A400M-Atlas-Maschinen, die sie in ihrem Bestand hat, auf Eis gelegt. Der Kommandant der Luftstreitkräfte, Gen. Akın Öztürk, erteilte diesen Befehl als Sicherheitsmaßnahme. Die Aufgabenbereiche, die mittels dieser Maschinen abgedeckt werden sollten, wurden auf andere übertragen. Der Unfall in Spanien müsse jedoch, so heißt es vonseiten türkischer Armeeoffizieller, nicht zwangsläufig bedeuten, dass die A400M-Maschinen grundsätzlich unsicher wären.

Kosten für jede A400M bei über 100 Mio. Euro

Aus Spanien hieß es am Sonntag, man habe die beiden Black Boxes der verunglückten Maschine gefunden, die bei ihrem Jungfernflug am Samstag in ein Feld im Norden von Sevilla gestürzt war. Der Regierung zufolge seien diese den Ermittlern übergeben worden.

Premierminister Mariano Rajoy forderte Airbus dazu auf, im Zuge der Untersuchungen zur Unglücksursache maximale Transparenz zuzulassen. Auch Großbritannien und Deutschland haben infolge des Absturzes, des ersten im Rahmen jenes europäischen Verteidigungsprojekts, das ohnehin schon mit Verzögerungen und Kostenexplosionen zu kämpfen hatte, ebenfalls ihre A400M-Maschinen auf den Boden geholt. Nur Frankreich lässt seine – wenn auch mit beschränktem Einsatzvolumen – noch in Gebrauch. „Nur Flüge von extremer Wichtigkeit werden genehmigt“, so Verteidigungsminister Jean-Yves Drian am Sonntag.

Die Flugzeuge, von denen eines allein bereits mehr als 100 Millionen Euro an Kosten verschlingt, werden in Sevilla zusammengebaut. Das Testflugzeug war für die türkische Luftwaffe bestimmt. Die beiden Überlebenden des Crashs befinden sich mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Airbus untersucht zurzeit gemeinsam mit einem Team der spanischen Regierung die Unglücksursache. (dpa/dtj)