AK Saray
AK Saray

Ein Interview mit Tezcan Karakuş Candan*.

Was stellt der Palast für Sie dar?

Das ist nicht nur ein Bau. Vor allem autoritäre Regimes benötigen Orte und Symbole um ihre Autorität darzustellen. Der illegale Palast symbolisiert zudem, wie in der Öffentlichkeit diskutiert, das Präsidialsystem. Es ist der Versuch noch bevor das Regime geändert wird, ihm einen Ort zu erteilen, welches das Präsidialsystem repräsentiert.

Warum benutzen Sie vehement den Begriff „illegaler Palast“?

Den gerichtlichen Beschlüssen wurde keine Achtung geschenkt. Der Bau befindet sich auf einem Schutzgebiet. Die Lizenz dafür wurde illegal erteilt. Das ist ein Waldgebiet. Es kommt noch hinzu, dass es trotz des Testaments von Atatürk gebaut wurde. All diese Punkte machen dieses Gebäude zu einem illegalen Bau. Abgesehen davon wurden auch dafür 3000 Bäume gefällt.

Sie haben mit der Öffentlichkeit Informationen geteilt, in der Sie diesen Bau mit dem Gehalt eines Lehrers, eines Ortsvorstehers oder mit dem Mindestlohn vergleichen …

Als Berufskammer hatten wir lange Zeit Schwierigkeiten unsere Fachkenntnisse der Bevölkerung zu verdeutlichen. D. h. wir wurden im Endeffekt nicht verstanden. Als die Ortsvorsteher im Palast waren, haben wir ein Gegenstand des Palastes mit dem Einkommen eines Ortsvorstehers verglichen. Bei den Lehrern haben wir es genauso gemacht. Mit dem Gasverbrauch des Palastes konnte man ein Jahr den Gasverbrauch der Stadt Bayburt überdecken. Gläser, wo eines 1000 Türkische Lira (TL) kostet, Dampfräume, VIP Kinoräume usw. Es ist der Versuch den Menschen dies bewusst zu machen. Ich glaube wir waren auch in der Hinsicht erfolgreich. Die letzten Umfragen zeigen, dass beim Stimmenverlust für die Regierung der Palast an vierter Stelle kommt. Dies zeigt unseren Erfolg. Der Palast steht in der Rangliste vor der Korruption.

Die architektonischen Gesichtspunkte wurden in der Öffentlichkeit nicht diskutiert. Wie ist der Bau des Palastes aus architektonischer Hinsicht?

Ich kann Ihnen sagen, dass der illegale Palast aus architektonischer Hinsicht monströs ist. Der Stil ist von hier und da zusammengetragen worden. Die Treppen sind vom Dolmabahçepalast. Die Kränze und andere Elemente von den Seldschuken. Es ist ein Bau ohne eine eigene Identität. Aus architektonischer Hinsicht sehen sie auch einen Bau der autoritär wirkt und verängstigt. Das Säulensystem ist überwiegend in autoritären Systemen vorzufinden.

Sie sagten, dass die Veröffentlichungen über den Palast nicht gerne gesehen werden. Bekommen Sie Druck um dies nicht zu machen?

Der Druck wird mit veränderten Gesetzen über die TMMOB (Verband der türkischen Ingenieure und Architekten) auf uns ausgeübt. Da wir an die TMMOB gebunden sind, spüren wir das auch. Das Prüfungswesen bzw. die Kontrolle wurde an den Vorsitzenden übertragen. Unsere finanziellen Möglichkeiten wurden stark eingeschränkt. Die Prüfung durch die Berufskammer wurde abgeschafft, damit sie in Ruhe ihre Beziehungen für die Einkommenserwirtschaftung aufbauen können. Persönlich stellt uns auch der Oberbürgermeister von Ankara, Melih Gökçek, auf die Zielscheibe. Er stiftet Gleichgesinnte an gegen uns vorzugehen. Wir bekommen anonyme Nachrichten. Aber all das ist uns egal.

Wir verfolgen jedes Detail

Über die Anzahl der Zimmer im Palast wird häufig spekuliert. Wie viele Zimmer hat nun der Palast nach Ihren Erkenntnissen?

2000 Zimmer und ein Salon. Bei den ersten Informationen über den Palast waren es 1000 Zimmer. Wir bestehen aber vehement darauf, dass es oberirdisch 2000 Zimmer sind. Wie viele Zimmer unterirdisch gebaut wurden wissen wir nicht. Wenn sie ein Architekt sind, können sie an der Form des Gebäudes errechnen, wie viele Zimmer das Gebäude plus minus ungefähr hat. Natürlich ist in der Anzahl die Fläche nicht mitberechnet, die als Domizil benutzt wird. Im Domizil gibt es auch noch 250 Zimmer. Es gibt auch einen Tresorraum zwischen dem Arbeitszimmer und dem Schlafzimmer. Mindestens sieben bis acht Suiten und einen Ballsaal mit 600 Quadratmetern und einen VIP Kinosaal. Das Domizil nennen wir auch kleiner Palast.

Wie berechnen Sie die Baukosten, von wo nehmen Sie dafür die benötigten Informationen?

Wir verfolgen alle Information über den Palast sehr genau. Alle Fotografien des Palastes werden von uns sehr gründlich betrachtet. Als Beispiel hierfür haben wir beim Empfang eines Gastes von Emine Erdoğan nicht wie alle anderen den Gast gesehen, sondern die Gläser auf dem Tisch. Die Kosten für die Gläser haben uns interessiert, dies haben wir recherchiert und das Ergebnis mit der Öffentlichkeit geteilt. Es hat sich herausgestellt, dass ein Glas 1000 TL kostet. Wir verfolgen alle Informationen die wir verwenden können, sei es Informationen von Angestellten innerhalb des Palastes oder geteilten Informationen in sozialen Netzwerken oder Firmen die am Bau des Palastes beteiligt waren und mit diesen Informationen neue Kunden für sich gewinnen wollen. Eine Geschichte die sich von Gecekondus (illegal aber geduldete, provisorisch gebaute Häuschen) bis zum Palast erstreckt. Saunas, Dampfräume usw. sind Zeichen von Luxus. Die Tatsache, dass man früher sein Fasten in der Gecekondusiedlungen gebrochen hat und jetzt das hinter hohen Mauern im luxuriösen Palast bricht, zeigt eigentlich die Geschichte von der Gecekondu bis hin zum Palast.

Ist eigentlich die Architektenkammer „gegen alles“?

In der Öffentlich ist eine Wahrnehmung entstanden, dass die Architektenkammer gegen alles ist! Sind Sie gegen alles, welches für das Volk einen Nutzen hat?

Wir sind natürlich gegen jede schlechte Arbeit und alles was in unser Leben eindringt oder unseren Lebensraum bedroht. Wenn wir nun den Palast als Beispiel nehmen, fragen wir als Erstes ob der Ort für den Bau eines Palastes geeignet war? Nein, war sie nicht. Pflanzen wurden vernichtet und Bäume gefällt. Hält man sich an Gerichtsbeschlüsse? Nein. Warum soll ich jetzt nun all das befürworten? Es wird ein Botanischer Garten vom Forstwirtschaftsministerium gebaut. Dieses Projekt wird von uns unterstützt, es ist ein sehr schönes Projekt. Aber leider verläuft inmitten des botanischen Gartens eine Straße. Wir sind gegen diese Straße und fordern deshalb die Straße nicht durch den botanischen Garten zu bauen.

* Tezcan Karakuş Candan ist die Vorsitzende der Architektenkammer Ankara.