Sebastian Radke
Sebastian Radke

Und wie so oft erfahre ich auch diese traurige Nachricht in den sozialen Medien. Langsam habe ich den Eindruck, dass man hier mehr über das Weltgeschehen erfährt als in den Zeitungen. Der Berliner Radiomoderator des Senders Kiss FM, Sebastian Radke, ist tot. Als ich die Nachricht lese, bin ich geschockt. Es stellt sich heraus, dass er mitten in der Sendung bewusstlos wurde und im Krankenhaus verstarb. Er wurde gerade einmal 40 Jahre alt.

Zwar fand ich ihn weder sympathisch noch unsympathisch, doch allein, dass eine Person plötzlich weg ist, trifft einen wie einen Schlag. Seitdem ich ein Teenager bin, war der Radiosender Kiss FM Bestandteil meines Lebens und somit Basty. Wie oft schaltet man das Radio an, wenn man gerade in der Küche steht oder unterwegs im Auto ist? Und dass diese vertraute Stimme jetzt weg ist, ist merkwürdig.

Basty ist so alt wie meine Mutter. Als mir das bewusst wird, bleibt mein Herz für einen kurzen Moment stehen. Er hatte keine gesundheitlichen Probleme und galt als athletischer Mann und dass er ohne Vorwarnung mitten bei der Arbeit plötzlich verstirbt, ist nicht zu begreifen. Es macht einem Angst. Wenn mich der Tod eines mir fremden Menschen so sehr trifft, dann will ich nicht wissen, wie es sich anfühlt, wenn jemand, der mir viel bedeutet, plötzlich nicht mehr da ist…

Den Tod spürt man erst, wenn er nahe bei uns geschieht…

Solche Geschichten wie diese machen uns traurig und auch Angst, weil uns plötzlich bewusst wird, dass der Mensch im Endeffekt einer höheren Gewalt unterliegt. Wir leben in einer Gesellschaft, die so davon besessen ist, alles unter Kontrolle zu behalten, immer mehr Macht zu erlangen und das Unmögliche möglich zu machen. Doch der Tod von Basty erinnert uns wieder einmal daran, dass nicht alles durch Menschenhand kontrollierbar ist.

Viele werden sich fragen, warum man über den Tod eines einzelnen Menschen so sehr trauert und die Menschen in den Kriegsgebieten, die tagtäglich sterben, nicht gedenkt. Das tun wir, doch wie auch beim Germanwings-Absturz wird die Angst größer, wenn der Tod in der Nähe von einem geschieht. Die Kriegsgebiete sind so weit weg von uns und obwohl wir täglich davon hören und darüber trauern, trifft es einen nicht so sehr, wie der Tod im eigenen Land, in der eigenen Stadt, im eigenen Freundes-oder Familienkreis.

Für mich als gläubiger Mensch ist das Gottes Wille und alles vorherbestimmt. Für andere ist es eine andere höhere Gewalt. Doch wir können uns dennoch alle einig sein, dass wir nichts dagegen tun können und uns dieser Macht ergeben müssen. Wenn ich so etwas höre, dann weiß ich, dass ich noch dankbarer für mein Leben sein sollte. Dankbar, dass es meiner Familie gut geht. Dankbar, dass wir in einer Welt mit so vielen Möglichkeiten leben. Plötzlich wird einem klar, dass Streit egal mit wem unnötig ist und dass man die verbliebene Zeit, die man gemeinsam hat, nutzen sollte, denn das Leben könnte plötzlich vorbei sein.

Die Musik läuft weiter, genauso wie das Leben…

Nachdem ich von Basty’s Tod gelesen habe, schalte ich vorsichtig den Radiosender ein. Ob wohl noch Musik läuft oder ob das Team trauert? Es läuft Musik und die Kollegen lachen auch etwas, doch man hört einen bedrückten Unterton heraus. Es ist eine Metapher, die sich auch im wahren Leben wiederspiegelt. Die Musik läuft weiter und so tut es auch das Leben. Ganz gleich was passiert, wir wurden darauf trainiert, weiterzumachen. Der Mensch wird immer einen Weg finden, das Hindernis zu überwinden. Zwar stimmt es, dass die Zeit die Wunden heilt, doch der Schmerz im Herzen wird niemals komplett verschwunden sein.

Ich wünsche der Familie und den Freunden von Sebastian viel Kraft, diesen Verlust zu überstehen. Möge seine Seele in Frieden ruhen. Sein Tod ist eine Erinnerung an uns, das zu schätzen, was wir haben und dankbar dafür zu sein…