Das palästinensische Flüchtlingslager Yarmouk im Süden von Damaskus bleibt weiterhin umkämpft. „Der Mörser- und Granatbeschuss hört seit dem frühen Morgen nicht auf“, sagte ein Bewohner der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Beirut am Telefon. Die örtliche palästinensische Bürgerwehr Aknaf Beit al-Maqdis verteidigt das Camp seit mehreren Tagen gegen einen Ansturm der Terrormiliz IS.

Nach Angaben der Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London kontrollierte der IS am Montag bereits 90 Prozent des Gebiets des Flüchtlingslagers. IS-Accounts auf Twitter veröffentlichten am Montag und Dienstag zahlreiche Bilder, die offenbar IS-Kämpfer innerhalb des Flüchtlingscamps zeigen. Internationale Helfer beschrieben die Situation der Zivilisten als dramatisch. „Sie haben keine Lebensmittel, kein Wasser, keine Arzneien, keine Elektrizität, nichts“, sagte der Sprecher des UN-Palästinenserhilfswerks UNRWA, Chris Gunness, der dpa in Tel Aviv.

Die Lage der Flüchtlinge in Syrien führt zur Besorgnis bei den Palästinenern in Israel und den besetzten Gebieten. Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei das was in Jarmuk vor sich gehe, sagte Ahmed Tibi, palästinensische Abgeordnete in der Knesset. Mehr als 1.000 Palästinenser seien schon durch die IS getötet worden.

Abbas will Palästinenser aus Bürgerkrieg raushalten

Palästinenerpräsident Mahmut Abbas die Konfliktparteien dazu aufgerufen, die Palästineser in Yarmouk nicht in den Krieg zu ziehen. „Wir haben vor über vier Jahren schon gesagt, dass wir uns in die inneren Angelegenheiten keines arabischen Landes einmischen“, so Abbas, der die palästinensischen Flüchtlinge aus den Konflikten in den arabischen Ländern raushalten will. Es gibt jedoch verschiedene palästinensische Gruppen, die auf unterschiedlichen Seiten im syrischen Bürgerkrieg teilnehmen. So etwa die Miliz Volksbefreiungsfront zur Befreiung Palästinas – Generalkommando, die auf Seiten des Regimes kämpft.

Neben den Angriffen durchd ie Terrormiliz wird das Lager von Kampfflugzeugen der syrischen Armee beschossen. Die medizinische Versorgung in dem Lager ist inzwischen zusammengebrochen. Die Internetplattform Falastinews berichtet zudem von verschleppten Palästinenern durch die IS. Es seien auch Leichen von geköpften Palästinensern gefunden worden. Auf den Dächern der Häuser in Yarmouk gebe es zahlreiche Scharfschützen der IS. Die Verbliebenen können daher auf die Straßen um sich mit Lebensmitteln und Wasser zu versorgen.

Vor der Belagerung durch die Terrormiliz IS wurde Yarmouk von der syrischen Armee belagert. Bis zum Beginn des Bürgerkrieges lebten in dem Flüchtlingslage rund 150 000 Palästinenser, die aus Israel vertrieben oder geflohen waren. Heute sind es nur noch 18 000. (dtj/dpa)