Im Axel-Springer-Verlag ist es im Laufe der Woche zu einer personellen Umbesetzung gekommen. Nach Angaben des Verlages handelt es sich dabei um eine „redaktionelle Umstrukturierung“, die neben der „Verschlankung der Chefredaktion“ auch „den Ausbau und die Verstärkung der Ressortleiter-Ebene von Deutschlands größter Sonntagszeitung“, der Bild am Sonntag, beinhalte.

Künftig werden Chefredakteurin Marion Horn und der stellvertretende Chefredakteur Tom Drechsler die gemeinsame Führungsspitze bilden. Während die Chefredaktion „verschlankt“ wurde, wurden die Ressorts der Bild am Sonntag erweitert. Mit „Digitales & Social Media“ wurde sogar eines neu geschaffen.

Einer fehlt jedoch künftig. Dr. Nicolaus Fest, 52, seit 2013 stellvertretender Chefredakteur, verlässt das Unternehmen „auf eigenen Wunsch“, wie es in einer Mitteilung heißt. Er wolle in Zukunft „als freier Journalist“ arbeiten. Fest, der im Jahr 2000 Gruner + Jahr im Streit verlassen hatte, war seit 2001 bei Axel Springer beschäftigt, bei Bild Leiter des Kultur-Ressorts und seit 2008 Mitglied der Chefredaktion.

Auf die Nachfrage des DTJ, ob die Entscheidung mit dem gehässigen Kommentar, den Fest am 27.7. verfasst hatte – und für den die Bild eine Rüge seitens des Presserates erntete – zusammenhänge, blieb man im Hause Springer jedoch wortkarg.

Fest, der bereits zu einem früheren Zeitpunkt die „Vorteile homogener Gesellschaften“ beschwor und argumentierte, dass die Beseitigung von kultureller Vielheit Gesellschaften „Frieden und Stabilität“ bringen könne, hatte an jenem Tag die Empörung über seinen hasserfüllten Kommentar, die sich in sozialen Netzwerken Luft verschaffte, noch mit Hohn quittiert: „Offensichtlich finden viele Homophobie, Antisemitismus & Ehrenmorde völlig ok.“

Nach anfänglichem Mauern gingen jedoch auch Bild-Chefredakteur Kai Diekmann und die Chefredakteurin von Bild am Sonntag, Marion Horn, auf Distanz. Nun sind die Tage Fests als stellvertretender Chefredakteur gezählt.

Auf die Frage des DTJ, ob die Rüge des Presserats einen Einfluss auf die Berichterstattung der Bild zum Thema Islam habe, wollte man uns in der Abteilung Unternehmenskommunikation ebenfalls keine Antwort geben. In der Presseerklärung, auf die verwiesen wird, heißt es über Fest: „Er bleibt dem Haus verbunden.“