Im Zuge des bundesweiten Aktionstages „Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht“ sind auch die Münchner Imame mit einer Erklärung zur Terrororganisation IS an die Öffentlichkeit gegangen.

„Wir sind entsetzt über die Verbrechen, die im Namen unserer Religion im Irak und in Syrien begangen werden, verurteilen entschieden alle abscheulichen Taten wie die Vertreibung von andersdenkenden und andersgläubigen Menschen, barbarische Hinrichtungen von Journalisten, Geiseln oder Gefangenen und betrachten all das dezidiert als ebenso unislamisch wie unmenschlich“, hieß es darin.

Die Zerschlagung der uralten Tradition des Miteinanders im Nahen Osten, wo Menschen unterschiedlichen Glaubens und vielfältiger Kulturen seit Jahrhunderten zusammengelebt hätten, mache „zutiefst traurig“.

Die Gewalt des IS treffe jeden, auch Muslime selbst. „Wir solidarisieren uns mit Christen, Juden, Jesiden, Schiiten oder Sunniten – wer auch immer wo auch immer unter Gewalt, Terror und Vertreibung leidet.“

Unter den aktuellen Nachrichten litten die Imame, nicht weniger, sondern mehr als andere, „weil es unsere Religion ist, die dabei so unbeschreiblich pervertiert wird“. Es sei ihre Aufgabe, ihre Stimme gegen die „Irren, die Ungebildeten und Fehlgeleiteten, die Gewalttäter allerorten, die das Bild unserer Religion nach außen bestimmen“, zu erheben. Einen unschuldigen Menschen zu töten, sei in Gottes Augen ein größeres Verbrechen als die Zerstörung der Kaaba.

„Die Muslime müssen in der ganzen Welt lautstark ihre Parteinahme für den Frieden entschieden und unmissverständlich, überall und unablässig kundtun. Islam bedeutet: der friedliebende Gehorsam Allah gegenüber, friedliche Akzeptanz und friedliche Praxis des Glaubens im Namen Allahs. Muslim bedeutet: der „friedliebende Mensch“; der Mensch, der Frieden auf Erden verbreitet“, so die Imame.

IS weder islamisch noch ein Staat

Sie riefen alle Muslime dazu auf, sich offensiv vom sog. „Islamischen Staat“ zu distanzieren und sich unter keinen Umständen direkt oder indirekt mit Terroristen zu identifizieren oder zu solidarisieren, deren Tun zu verteidigen oder zu verharmlosen. Für sie sei der „IS“ weder islamisch noch ein Staat, und sie lehnten seinen selbsternannten „Kalifen“ kategorisch ab. Das Verbot der Organisation „IS“ durch die Bundesregierung wurde nachdrücklich begrüßt.

Auch an die Jugendlichen richteten die Geistlichen einen Appell. Sie sollten wachsam sein, ihre Zukunft sei hier in Deutschland. „Allah hat zu Beginn seiner Botschaft uns gelehrt, in unseren Händen Schreibstifte zu tragen und nicht Waffen! Geht auf keinen Fall in die Kriegsgebiete, um euer Leben für falsche Zwecke zu opfern!“

Gemeinsam mit der Politik und der Gesellschaft müssten Wege gesucht werden, um dem Extremismus den Schneid abzukaufen. Der Generalverdacht, dem viele Muslime ausgesetzt seien, habe die Situation nur verschärft: „Die Politik muss dringend differenzierter vorgehen und unterscheiden, von welcher Seite tatsächliche Gefahr ausgeht, diese entschieden bekämpfen – aber ebenso entschieden mit denjenigen zusammenarbeiten und diejenigen engagiert unterstützen, die den Islam richtig interpretieren und dadurch sehr viel effektiver gegen Missbrauch vorgehen können.“

Die wichtigsten muslimischen Verbände in Deutschland hatten am Freitag mit der bundesweiten Aktion ein klares Zeichen gegen Rassismus und Terrorismus gesetzt.