Im Kampf gegen die Umtriebe der ISIS in Deutschland und gegen die Radikalisierung von Jugendlichen braucht Deutschland die Hilfe deutscher Muslime. Dies betonte Innenminister de Maizière am Rande eines Treffens mit Islamverbänden.

Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière hat eine stärkere Kooperation zwischen Ankara und Berlin angesichts der Bedrohung durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS, ehem. ISIS) angeregt. Er räumte ein, dass ein höheres Maß an Austausch von Geheimdienstdaten dafür unerlässlich sei.

„Die türkische Regierung hat jüngst einen klaren und harten Standpunkt gegen ISIS eingenommen. Dies möchte ich betonen“, äußerte der Innenminister am Rande eines Treffens mit Vertretern der muslimischen Community in Deutschland gegenüber der Hürriyet. „Unsere Zusammenarbeit bei der Verhinderung des Transits von Extremisten durch die Türkei ist gut, aber sie sollte noch besser werden.“

Zekeriya Altuğ, der Auslandsbeauftragte der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DİTİB), und der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZMD), Aiman Mazyek, waren ebenfalls an diesem Treffen beteiligt.

„Wir brauchen mehr Geheimdienstaustausch mit Blick auf die Reisebewegungen von Djihadisten. Das ist sehr kostenintensiv. Deshalb sollten die Geheimdienste in diesem Bereich zusammenarbeiten, Wir haben während meines Besuches darüber gesprochen“, betonte de Maizière. Der Minister spielte dabei auf seinen Türkeibesuch vor einem Monat an, als die Spionageaffäre des BND in der Türkei im Mittelpunkt der Gespräche stand.

ISIS kann derzeit mit etwa 400 radikalisierten Jugendlichen rechnen

Am gestrigen Donnerstag unterstrich de Maizière auch, dass er „tiefen Respekt“ gegenüber der Türkei für deren Bereitschaft empfinde, Hunderttausende syrischer Flüchtlinge aufzunehmen und dass er den Friedensprozess mit den Kurden „mit vollem Herzen unterstützt“. Es sei eine positive Entwicklung, dass die ISIS-Problematik diesen Prozess beschleunige, so der Minister weiter.

De Maizière betonte, dass nur etwa 6000 der fast vier Millionen Muslime in Deutschland „Radikale“ seien, er warnte jedoch, dass, obwohl der Anteil gering, die Zahl als solche doch immer noch hoch sei.

Er unterstrich auch, dass die deutsche Regierung alle Aktivitäten der ISIS in Deutschland verboten habe und man sich bemühe, das Bewusstsein in der Bevölkerung bezüglich der Bedrohung durch diese Gruppe zu verstärken.

„Unseren Prognosen zufolge könnten in Deutschland derzeit etwa 400 junge Menschen ausreichend radikalisiert sein, um dem fatalen Ruf zum Terror in Syrien und im Irak zu folgen. Einige von ihnen sind mittlerweile möglicherweise auch wieder zurückgekehrt. Wir benötigen die Hilfe der Muslime in Deutschland in dieser Sache.“