Die Türkei hat die Entführung von 300 Mädchen durch die terroristische Bande Boko Haram in Nigeria scharf verurteilt. Mehrere Länder bieten nun Hilfe an.

Die Türkei hat die Entführung von mehr als 300 Mädchen im Teenageralter aus ihren Schulen in Nigeria scharf verurteilt und ihre umgehende Freilassung gefördert. In einer Erklärung drückte Außenminister Ahmet Davutoğlu „tiefe Besorgnis“ darüber ausgedrückt, dass die Schülerinnen bis zum heutigen Tag nicht freigelassen wurden.

Nigerianische Behörden hatten verlauten lassen, dass mehr als 300 Mädchen aus ihren Schulen im Nordosten des Landes entführt worden waren. Die „djihadistische“ Terrorgruppe Boko Haram hat sich am 15. April zu der Tat bekannt und die Verantwortung dafür übernommen. Der Führer der Extremisten hat in einer Videobotschaft gedroht, sie „auf dem Markt zu verkaufen“. 53 Mädchen ist die Flucht gelungen, 276 bleiben in der Gewalt der Kidnapper.

„Wir verurteilen jene, die diesen abscheulichen Akt zu verantworten haben, der in unserem Land und in der internationalen Gemeinschaft Empörung hervorgerufen hat“, heißt es um Statement des Außenministeriums, in dem die Terrorgruppe nicht explizit bezeichnet wird. „Dieser Akt entlarvt einmal mehr das dunkle und abstoßende Gesicht des Terrorismus, der auf Kinder und Jugendliche zielt“, fährt das Außenministerium fort.

Auch Grünen-Chef Cem Özdemir solidarisierte sich auf sozialen Medien unter dem Hashtag #bringbackourgirls mit den Entführungsopfern.

Entführung löst weltweite Empörung aus

Die Entführung vom 15. April hat weltweit Empörung hervorgerufen und Forderungen an Nigeria, die Mädchen zu befreien, bevor ihnen Leid zugefügt oder sie in die Sklaverei verkauft würden. Auch Grünen-Chef Cem Özdemir solidarisierte sich auf sozialen Medien unter dem Hashtag #bringbackourgirls mit den Entführungsopfern.

Einige Länder, darunter die USA, Großbritannien, China und Frankreich, haben Nigeria Hilfe bei der Befreiung der Mädchen angeboten. Frankreich schlug bei dieser Gelegenheit vor, die geheimdienstliche Zusammenarbeit mit Nigeria zu intensivieren und einen „Spezialtrupp“ zur Befreiung der Schülerinnen zu schicken. Die USA wollen AP zufolge mit einem Assistenzteam helfen, das Personal aus dem State Department und Justizministerium umfasst, um im Bereich der Kommunikation, der Logistik und der geheimdienstlichen Planung zu helfen.  

Jonathan kündigt „Anfang vom Ende des Terrorismus“ an

Das Außenministerium gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass Nigeria mit internationaler Unterstützung „die Gefahr, der das Land ausgesetzt ist, überwinden“ zu können, wobei man der Regierung in Lagos Solidarität aussprach, aber keine vollständige Rückendeckung.

Der Präsident Nigerias, Goodluck Jonathan, hat am Donnerstag auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) in Abuja versprochen, die entführten Mädchen zu finden, und gab seiner Hoffnung Ausdruck, deren Rettung könne „der Anfang vom Ende des Terrorismus“ im Lande sein. In einer Fernsehsendung musste Jonathan jedoch einräumen, keine Idee darüber zu haben, wo sich die Mädchen befinden könnten.

Die Terrorgruppe Boko Haram, die vor allem gegen Bildungseinrichtungen vorgeht, ist vor allem im unterentwickelten und verarmten Norden Nigerias aktiv. Kürzlich wurden 300 Menschen bei einem bewaffneten Angriff auf den Marktplatz der an der Grenze zu Kamerun gelegenen Stadt Gamboru Ngala ermordet. Auch hinter diesem Angriff soll Boko Haram stehen. Dass Nigeria trotz des Konflikts und trotz des verarmten Norden jüngst Südafrika als stärkste Wirtschaft des Kontinents abgelöst hat, verdeutlicht, wie groß der regionale Gegensatz und das wirtschaftliche Gefälle im Land ist.