In die Debatte um das Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) an der Universität Münster kommt Bewegung. Wie die Hochschule am Sonntag ankündigte, will sich Anfang des kommenden Jahres der für das ZIT zuständige Beirat zu seiner konstituierenden Sitzung treffen.

In die Debatte um das Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) an der Universität Münster kommt Bewegung. Wie die Hochschule am Sonntag ankündigte, will sich Anfang des kommenden Jahres der für das ZIT zuständige Beirat zu seiner konstituierenden Sitzung treffen. Darauf hätten sich die Universität und der Koordinationsrat der Muslime verständigt. Die acht Mitglieder des Gremiums sollen über Professoren und Lehrinhalte bestimmen und werden je zur Hälfte von der Hochschule und vom Koordinationsrat vorgeschlagen.

Zwei nacheinander von den Islamverbänden aufgebotene Kandidaten waren zuvor wegen des Vorwurfs mangelnder Verfassungstreue auf Ablehnung gestoßen. Deswegen lagen die Ernennung von Professoren oder die Verabschiedung von Lehrplänen bislang auf Eis.

Ursprünglich war die erste Beiratssitzung den Angaben der Universität zufolge für den kommenden Donnerstag vorgesehen. Der nun erfolgte Aufschub solle den im Koordinationsrat vertretenen Verbänden Gelegenheit geben, die zwei noch ausstehenden Plätze zu besetzen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir zu einer Lösung kommen“, so die Rektorin der Universität, Ursula Nelles.

Widersprüchliche Angaben kommen allerdings vom Koordinationsrat der Muslime. Wie das DTJ erfuhr, sagten zwei Mitglieder des KRM ihre Teilnahme an der geplanten Sitzung ab.

Wie tiefgreifend werden die personellen Veränderungen sein?

Das ZIT ist eine von bundesweit vier universitären Einrichtungen, in denen künftig islamische Theologen ausgebildet werden. Ende November war Bundespräsident Joachim Gauck in Münster zu Gast. Um das ZIT gibt es seit längerem kontroverse Diskussionen. Der Koordinationsrat der Muslime wirft dem Leiter des Zentrums, dem Theologen Mouhanad Khorchide vor, nicht bekenntnisorientiert, sondern wie ein Orientalist zu argumentieren. Seit dem Ende des Pokers rund um die endgültige personelle Besetzung des künftigen Beirates mehren sich auch zunehmend Gerüchte, wonach die Position des Leiters selbst zur Disposition stehen könnte.

Der Bundespräsident räumte bei seinem Besuch ein, dass es um das Fach islamische Theologie Konflikte und offene Fragen gebe. So fehlten Lehrkräfte und Lehrmaterial. Zudem existierten organisationsrechtliche Probleme. Das junge Fach befinde sich noch in einer „Experimentierphase“, so Gauck. Die Auseinandersetzungen darüber seien aber in einer freiheitlichen Gesellschaft erwünscht und in Ruhe zu lösen.

Khorchide rief dazu auf, den Konflikt um das ZIT nicht auf dem Rücken der Studenten auszutragen. Am ZIT, das vor einem Jahr startete, studieren derzeit rund 400 Studenten. (KNA/dtj)