PKK-Rückzug zu einem Viertel abgeschlossen

Vom Terroristen zum fleißigen, friedlichen Staatsbürger? Einem türkischen Geheimdienstbericht zufolge versuchen gerade viele ehemalige PKK-Kämpfer, die nach oft jahrelangem Kampf gegen türkische Streitkräfte ihre Waffen niedergelegt haben, in türkischen Städten ein neues – normales – Leben zu beginnen.

Etwa 25 Prozent der PKK-Terroristen haben sich bis Anfang Juli bereits aus der Türkei zurückgezogen. Das berichtete die türkische Tageszeitung „Taraf“ auf Grundlage eines der Zeitung vorliegenden Geheimdienstberichtes der türkischen Polizei und der Gendarmarie. Im Zuge der seit Oktober 2012 laufenden Friedensgespräche zwischen PKK-Führer Öcalan und der türkischen Regierung ziehen sich dem Bericht zufolge nun immer mehr Einheiten der Terrorgruppe wie vereinbart vom Staatsgebiet der Türkei zurück oder legen ihre Waffen nieder und beginnen ein ziviles Leben.

Doch der Rückzug aus der Türkei bedeutet nicht die Auflösung der Terrorgruppe. Der syrische Arm der PKK, die PYD, kämpft momentan in Nordsyrien mit al-Qaida nahen Rebellenbrigaden um die Kontrolle kurdisch dominierter Städte und Regionen. 
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PKK-Rückzug: Aus der Türkei in den Nordirak – und von da weiter nach Syrien?

Der türkische Nahost-Experte Gökhan Bacık prognostizierte bereits im März, dass die PKK sich nach dem Abzug ihrer Kampfeinheiten aus der Türkei verstärkt im syrischen Bürgerkrieg einmischen wird

In der ersten Hälfte des Jahres hatte es von Seiten der Türkei Bedenken gegeben, dass die PKK ihre Kämpfer zu langsam oder möglicherweise gar nicht abziehen könnte. Ministerpräsident Erdoğan hatte im Mai öffentlich bemängelt, dass nur 15 Prozent der PKK-Kämpfer die Türkei verlassen hätten. Zuletzt war bekannt geworden, dass die PKK seit dem Beginn des Friedensprozesses schätzungsweise 2 000 neue Rekruten anwerben konnte.  

Taraf berichtete darüberhinaus, die PKK plane ihre Einheiten – trotz des Drucks türkischer Stellen – in den Regionen Dağlıca, Zağros, Ağrı und Tunceli als letztes aus der Türkei abzuziehen, da dies „strategisches Gebiet“ für die PKK sei. In der schroffen Gebirgslandschaft im Nordirak verfügt die PKK über mehrere Basen. In den nordirakischen Kandil-Bergen nahe der irakisch-iranischen Grenze – etwa 100 Kilometer südlich der Türkei – kontrolliert die PKK ein rund 50 km² großes Gebiet, von dem aus sie ihren bewaffneten Kampf in der Türkei, aber auch im Iran koordinierte.