Massaker an 450 Kurden im Norden Syriens

Terroristen aus der Al-Nusra-Front, die mit dem Terrornetz Al-Qaida in Verbindung steht und auf der Seite der Regimegegner in Syrien kämpft, haben am Montag 450 zivile Kurden im Norden Syrien massakriert, berichtet der iranische Fernsehsender Al-Alam.

Laut diesen Angaben wurden im Kreis Tall Abyad der Provinz Rakka 330 Frauen und Greise sowie 120 Kinder ermordet.

Letzten Mittwoch hatte die Al-Nusra-Front 200 Kurden in zwei Dörfern im Osten Syriens gefangen genommen. Am Tag zuvor hatte das Kommando der paramilitärischen Formation der in Syrien lebenden Kurden die Mobilisierung der kurdischen Bevölkerung zum Schutz vor dem Terroristennetzwerk verkündet. Der Beschluss über die Mobilisierung kam kurz nach dem Mord an einem angesehenen Kurden-Aktivisten im Nordosten Syriens – einer Region, die von Kurden besiedelt ist.

Den bislang weder durch die syrische Regierung noch durch die Opposition bestätigten Angaben zufolge sollen die Terroristen der Al-Nusra-Front am Montag die Tall-Abyad-Region angegriffen haben. Der Fernsehsender „Russia Today“ (RT) berichtet auch über unzensiertes Filmmaterial zu dem Massaker, das der iranische Sender gezeigt hätte, von dessen Ausstrahlung der russische Sender aber aus ethischen Gründen Abstand nahm.

Aus kurdischen Quellen erfuhr RT jedoch, dass es in der genannten Region zu intensivierten Kampfhandlungen gekommen sei. „Al-Nusra-Kämpfer und andere Rebellengruppen umstellten das Dorf“, gab Yasin Tarbush, ein Angehöriger eines der Opfer der Attacke, an. „Sie gingen von Tür zu Tür, betraten jedes Haus. Wenn Männer anwesend waren, wurden diese sofort getötet und die Frauen und Kinder als Geiseln genommen.“

Kurdisches Territorium soll erobert werden, um Al-Qaida-Staat zu gründen

Seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien hatten die Kurden versucht, sich von keiner der einander bekämpfenden Seiten vereinnahmen zu lassen. „Es gibt nichtmuslimische Kurden genauso wie alawitische Kurden – deshalb versuchten wir, uns rauszuhalten“, erklärt der kurdische Journalist Barzan Iso. „Aber nun benutzen manche Oppositionsgruppen Al-Qaida und Al-Nusra, um Kurden zu attackieren. Der Hauptgrund dafür ist, dass sie die Mentalität radikaler Nationalisten haben. Sie verwenden Al-Qaida als Schirmherrin für ihre Angriffe.“

Die Terroristen versuchen seit einigen Wochen, einen Teil des von Kurden bewohnten Gebiets unter ihre Kontrolle zu bringen, um im Norden Syriens einen eigenen Staat ausrufen zu können.

Seit 2011 hat der Bürgerkrieg in Syrien, der mit dem Versuch von Rebellen begann, den Diktator Bashar al-Assad zu stürzen, mehr als 100.000 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 8 Millionen mussten fliehen, ein nicht unerheblicher Teil davon fand in der Türkei Aufnahme. Wie der Sender „i24“ berichtet, dulden syrische Autoritäten trotz des offiziell anhaltenden Kriegszustandes beider Länder mittlerweile auch die Verbringung verwundeter Zivilisten entlang der Grenze am Golan zur medizinischen Versorgung in die Krankenhäuser von West-Galiläa.

Militärische Schlüsseloffensiven von den Terroristen koordiniert

Zahlreiche westliche Länder und ihre Verbündeten, auch die Türkei, Saudi-Arabien und Katar, versuchen, weniger radikale Oppositionskräfte bei ihrem Vorhaben, Assad zu stürzen, zu unterstützen. Allerdings wird die Dominanz terroristischer Gruppierungen wie der Al-Nusra-Front in den Reihen der Assad-Gegner immer stärker.

So standen einem McClatchy-Bericht zufolge Al-Qaida-nahe Kräfte an vorderster Front, als am Dienstag nach einem zweitätigen Gefecht ein wichtiger Militärflughafen im Norden Syriens durch eine Koalition von neun Rebellengruppen erobert werden konnte, von denen einige durch den Westen unterstützt werden.

Charles Lister von der in London ansässigen Militäranalystengruppe HIS Jane’s betont, dass dieser Sieg der Rebellen einmal mehr den strategischen Effekt unterstreicht, der von militanten Djihadisten ausgehe. „Jede größere Offensive in Nordsyrien im Laufe dieses Jahres wurde von Islamisten angekündigt, geleitet und koordiniert.“

Unterdessen äußerte sich auch der russische Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag nach Bekanntwerden der Berichte über das Massaker in den Kurdengebieten. „Die Aufgabe, der terroristischen Bedrohung zu begegnen, wird immer dringlicher“, betonte der Minister. „Die jüngsten Entwicklungen machen die Genf-2-Konferenz noch mehr unaufschiebbar. Je länger wir warten, umso mehr Zivilisten werden sterben.“ (RIA Novosti/RT)