Durch die Familienzusammenführung kam die zweifache Mutter Fatma Çoban (zweite von rechts) 1993 aus der Türkei nach Deutschland. Die tief in ihrem Herzen liegende Leidenschaft zum Lernen ließ sie ein Hindernis nach dem anderen überwinden. Nachdem sie ihre Kinder großgezogen hatte, wurde ihr bewusst, dass das Hausfrauenleben nichts für sie war und startete nach ihrem Studium an der Universität in Deutschland ihre Karriere.

Die sehr interessante Lebensgeschichte Çobans zeigt, wozu ein Mensch allein durch Zielstrebigkeit fähig sein kann.

Schullaufbahn von Fatma Çoban

Nachdem sie die Grund- und Oberschule in der Türkei beendet hatte, heiratete die 1978 geborene Fatma Çoban im Jahr 1993 Mesut Çoban und kam nach Deutschland. In dieser Ehe bekommen sie ihre zwei Töchter Esra (17) und Esin (13). Nachdem ihre Kinder groß geworden waren und mit der Schule begonnen hatten, wurde ihr klar, dass das Hausfrauen-Dasein nichts für sie war. Sie entschied sich, ihre (Schul-)Bildung in Deutschland fortzusetzen.

Mit der Unterstützung ihres Ehemannes und ihrer Kinder begann sie ihre Schulbildung in dem Verein Frauenzukunft e.V., welcher gegründet worden war, um insbesondere Frauen auf ihre Zukunft vorzubereiten und ihnen auf ihrem Bildungsweg behilflich sein zu können. Ihr erstes Zeugnis erhielt sie in diesem Verein – den Hauptschulabschluss mit einem Notendurchschnitt von 1,3 im Jahr 2003.

Danach schaffte sie 2004 ihren Realschulabschluss und begann am Kolleg Schöneberg, sich auf ihr Abitur vorzubereiten. Mit einem erfolgreichen Notendurchschnitt von 2,3 in dreieinhalb Jahren begann für Fatma Çoban erst jetzt ihr weitergehender Bildungsweg.

Bildung kennt kein Alter

Sie entschied sich für das Studium der Wirtschaft und Informatik an der Hochschule für Wirtschaft und Recht, denn „fürs Lernen gibt es keine Altersbegrenzung“. Nach 3,5 Jahren beendete sie im Oktober 2012 die Universität.

In einem mittelständischen Unternehmen wird Fatma Çoban als Informationsverarbeiterin anfangen und macht darauf aufmerksam, dass dieser Prozess ebenso schwierig wie auch aufregend ist. „Seitdem ich mit der Schule angefangen hatte, hatte ich, insbesondere aufgrund meines Kopftuches, immer Schwierigkeiten. Es gab sie sogar in meinem eigenen Bekanntenkreis, aber ich habe nie aufgegeben und bin mit Entschlossenheit meinen Weg gegangen“, erzählt sie.

Unterstützung durch Ehemann und Kinder

Çoban zufolge hatten ihr Ehemann Mesut Çoban und ihre Kinder großen Anteil an ihrem Erfolg: „Während dieser Schulzeit habe ich die größte Unterstützung von meinem Ehemann und meinen Kindern erhalten. Immer, wenn es schwierig wurde, standen sie mir beiseite. So konnten wir jedes Hindernis überwinden“.

Fatma Çoban hat auch einen Rat an die Familienväter übrig: „Bitte unterstützt eure Ehefrauen. Denn je gebildeter und kenntnisreicher Frauen sind, desto nützlicher werden sie für die Familie und die Gesellschaft. Ohne Eifer und ohne Willen wird es auch keinen Erfolg geben. Wenn wir unsere Aufgaben nach einem bestimmten Plan erledigen, wird ein Erfolg unvermeidlich sein.“

Gebildete Menschen würden in der Gesellschaft aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet werden: „Wir müssen der Bildung mehr Aufmerksamkeit widmen. Als türkisches Volk müssen wir uns den Menschen erklären und nur über Bildung können wir die Vorurteile, die uns gegenüber herrschen, abbauen“.