Auf dem Weg an die Weltspitze: VW wächst um 11 Prozent

Silao – Die Wolfsburger haben im vergangenen Jahr annähernd 9,1 Millionen Wagen verkauft und damit so viele wie noch nie zuvor. Nur die Automobilgiganten Toyota und General Motors kommen bei den Autos auf höhere Stückzahlen. Doch VW setzt mit neuen Modellen und Werken alles daran, die Rivalen schon bald zu überholen.

So eröffnet VW am heutigen Dienstag seine 100. Produktionsstätte. Vorstandschef Martin Winterkorn wird den Startschuss für die Motorenfabrik im mexikanischen Silao geben. 700 Mitarbeiter werden dort 330.000 Aggregate im Jahr herstellen. Die Motoren sind für den mexikanischen Traditionsstandort Puebla, wo etwa der Jetta vom Band läuft, sowie die junge Passat-Fabrik im US-amerikanischen Chattanooga bestimmt.

VW legt insgesamt um 11 Prozent zu – Verkaufsrekord in den USA

Zur Einweihungsfeier des umgerechnet rund 400 Millionen Euro teuren Werks wird gegen 12.30 Uhr Ortszeit (19.30 Uhr MEZ) auch Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto erwartet. VW hat seine Fertigung in Nordamerika in der Vergangenheit immer weiter ausgebaut. Das Werk im mexikanischen Puebla gibt es schon seit den 1960ern. Seit 2011 existiert die Passat-Fabrik in Chattanooga im Süden der USA.

Die Volkswagen-Verkäufe legten 2012 trotz eines schwächelnden Heimatmarkts konzernweit um mehr als 11 Prozent zu. Die Marken aus dem VW-Universum finden vor allem in den USA und in China immer mehr Käufer. Der deutsche Konzern ist derzeit vor allem auf dem US-Markt sehr erfolgreich. Dort legte der Konzern um satte 34 Prozent zu und knackte mit mehr als 596 000 abgesetzten Autos im vergangenen Jahr den Uralt-Rekord von 1970.

Damals hatte noch der Käfer für reißenden Absatz gesorgt. Heute heißen die Verkaufsschlager Jetta und Passat. Für Letzteren legten die Wolfsburger eine eigene US-Version auf. Der nordamerikanische Markt gilt als mitentscheidend für den Sprung Volkswagens an die Spitze der Automobilkonzerne.

VW-Konzernchef: VW gut vorbereitet im Wettbewerb mit Toyota und General Motors

Wichtigster Einzelmarkt für VW ist allerdings China. Hier legte der Konzern 2012 um knapp ein Viertel auf 2,81 Millionen verkaufte Autos zu. Auf dem kriselnden europäischen Markt blieb der Absatz mit 3,67 Millionen Autos beinahe konstant. Bis zum Jahr 2018 wollen die Wolfsburger an den beiden großen Rivalen Toyota und General Motors vorbeigezogen sein.

In Detroit findet derzeit die wichtigste Automesse Nordamerikas statt. Hier in der „Motor City“ trifft VW auch auf seine beiden größten Rivalen. Mit erwarteten 9,7 Millionen verkauften Auto dürfte Toyota ganz vorne wegfahren. Dahinter folgt General Motors mit 9,3 Millionen Stück. Das waren immerhin 3 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wie der US-Konzern am Montag mitteilte – GM wuchs damit jedoch langsamer als die Deutschen.

In den VW-Zahlen sind dabei die Busse und Lkw der Töchter Scania und MAN nicht einmal enthalten. GM leidet vor allem unter einem schwachen Europageschäft mit seiner Tochter Opel. VW-Konzernchef Martin Winterkorn warnte am Sonntag in Detroit allerdings vor zu viel Überschwang. „Vor uns liegen große Herausforderungen“, sagte er mit Blick auf das Jahr 2013. Er sehe den Konzern jedoch gut vorbereitet.

Wirtschaftsanalysten schätzen auch das französisch-japanisch-russische Trio Renault-Nissan-Lada und das südkoreanische Gespann Hyundai-Kia als ernstzunehmende Gegner ein.

VW-Töchter Porsche und Audi fahren ebenfalls Rekordverkaufszahlen ein, BMW und Daimler ziehen mit

Für einen weiteren Rekord sorgte die Sportwagen-Tochter Porsche: Weltweit mehr als 141.000 Auslieferungen bedeuteten ein Plus von 18,7 Prozent im Vergleich zu 2011. „Wir sind gut gewappnet, Porsche erfolgreich durch das Jahr 2013 zu führen“, sagte Porsche-Chef Matthias Müller. Auch die Tochtermarke Audi hatte mit 1,46 Millionen Fahrzeugen eine neue Bestmarke aufgestellt. Insgesamt sind mittlerweile zwölf Marken unter dem VW-Dach vereint.

Die Porsche AG war im vergangenen Sommer nach langen Querelen komplett unter das Dach von VW geschlüpft. Porsche-Chef Müller hält nun spürbar höhere Einspareffekte für wahrscheinlich als zunächst angepeilt. Beide Partner hatten die jährlichen Chancen für Synergien bisher auf etwa 700 Millionen Euro beziffert. „Ich glaube, das könnte sogar bis zu einer Milliarde werden“, sagte Müller.

Der Münchner Konzern BMW verkaufte im vergangen Jahr 1,845 Mio. Fahrzeuge, 11 Prozent mehr als im Vorjahr. In den Zahlen sind auch die BMW-Töchter Mini und Rolls-Royce enthalten. Auch Daimler wartet mit guten Verkaufszahlen auf. 2012 fanden insgesamt 1,42 Mio. Mercedes-Benz, Smart, AMG und Maybach einen Käufer. (dpa/dtj)